Lehrer-Denunzianten-Portal der AfD jetzt online

Diskutieren möchte die AfD nicht mehr, sie will lieber melden beziehungsweise gemeldet bekommen: Am Montag – pünktlich zum Ferienbeginn – ist das Lehrer-Denunzianten-Portal (aka „Neutrale Schule“) in Berlin online gegangen, das Meldeformular war allerdings nur wenige Stunden nutzbar. „This form is disabled“, hieß es am späten Abend auf der Seite. Immerhin: Schöner Beitrag zum Englischunterricht. Demnächst an dieser Stelle: die Aufklärung. Am heutigen Dienstag startet die AfD-Fraktion in Brandenburg schon den zweiten Versuch (der erste war wegen „juristischer und technischer Probleme“ am Freitag gescheitert). Unverändert online sind ähnliche AfD-Seiten in Hamburg und Sachsen, allerdings halten die Piraten die Fraktionen auf Trab, indem sie die Portale mit den Zitaten von AfD-Politikern bestücken lassen. Besonders erfolgreich waren Vertreter der Baden-Württembergischen Piraten, die das dortige Portal durch das massenhafte Einspeisen von Fake-Meldungen zu Fall gebracht haben.
„Wir wollen, dass gute Demokraten herangezogen werden“, erläuterte Stefan Franz Kerker, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion in Berlin, in der „Abendschau“. Wer als „guter“ Demokrat durchgeht und wer nicht – dieses Urteil behält sich die AfD selbst vor, eine Partei, deren prominente Mitglieder in Chemnitz Seit an Seit mit Kameradschaften, Neonazis und Hooligans„demonstriert“ haben. Wofür das Portal – wenn es denn wieder funktioniert – noch genutzt werden könnte? Zum Beispiel um den besorgten AfD-Politikern mitzuteilen, „dass das Kind aus dem Kunstunterricht wieder ganz rot-grün-versifft nach Hause kommt“, schlägt GEW-Vorsitzender Tom Erdmann vor. (Q: „rbb24“). Die Berliner Partei-Jugendorganisationen Jusos, Linksjugend solid und Grüne Jugend haben eine #Meldechallenge gestartet, bei der kreative Fake-Meldungen im Portal per Screenshot verbreitet und andere Nutzer zum Mitmachen nominiert werden. „Es geht mir um den Spanischunterricht. Ich habe nie etwas verstanden“, schreibt Sophie Brandstädter auf Twitter. „Sie hat bewusst nicht deutsch gesprochen. Sie wollte sich nicht integrieren. Auf einmal redeten alle Kinder spanisch. Das ist nicht mehr mein Berlin!“.