9 Zufriedene: Eine Bilanz des 1. Mai in Berlin

das ist mal wieder typisch Berlin – auch die Revolution vom 1. Mai 2019 wurde verschoben, und alle sind zufrieden:

1) Polizeipräsidentin Slowik, weil ihre Taktik aufging (Gefühl und Härte) und es weitgehend friedlich blieb,
2) Innensenator Geisel, weil (siehe 1),
3) die gemäßigte Linke, weil sie ihr Top-Thema Wohnen am Tag der Arbeit herausstellen konnte,
4) die radikale Linke, weil sie ihre unangemeldete Demo auf der Wunschroute durch die Rigaer Straße führen konnte.
5) die Pyrotechnikhersteller (die radikale Linke ist ein verlässlicher Kunde),
6) die Villenbesitzer in Grunewald, weil die Demonstranten dort nur mit Schaumstoffsteinen warfen (Motto: „Burn Bratwurst – not Porsches“),
7) der DGB, weil sich am Morgen der Regen verzog und die größten Kundgebungen die der Gewerkschaften waren („Europa. Jetzt aber richtig“),
8) die Kreuzberger, weil es beim Myfest nur Nackensteaks und keine Nackenschläge gab,
9) die journalistischen Einsatzkräfte vom Tagesspiegel, weil sie vor dem Morgengrauen nach Hause kamen (anders als Team Checkpoint und unsere Reporterin Helena Piontek, die gerade die BSR beim Saubermachen begleitet).

Insgesamt erinnerte das alles mehr an die Love Parade und das „Motte“-Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ (mehr zu Eierkuchen unter „Tweet des Tages“). Helena Piontek beobachtete sogar einen Demonstranten, der jedem Polizisten ein „Ich liebe dich“ zuhauchte – es kam nur leider nichts zurück (offenbar eine Einbahnstraße).

Auch Burkard Dregger setzte auf Deeskalation – statt Hoheitszeichen trug der CDU-Fraktionschef diesmal nur ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „Danke Polizei!“. Die ließ ihn aber trotzdem nicht über die Absperrung (Foto). Die radikale Linke bettelte dagegen mit einer Gelbwesten-Guillotine um etwas Aufmerksamkeit (für Neugierige: hier ist sie). Der Unterschied zum Pegida-Galgen ist rein äußerlich: Die einen tragen ihre Wut mit Pepitahütchen auf die Straße, die anderen mit Sturmhauben.