Ex-Staatssekretär Rackles rechnet ab

Nach sieben Jahren im Amt und drei Monaten in Klausur weiß Ex-Bildungsstaatssekretär Mark Rackles jetzt genau, wer und was schuld ist am Zustand der Berliner Schule (Spoiler: er nicht) – bei seiner Abschiedssause in der Bruno-Taut-Schule gestern Abend stellte er zu den Klängen von Wolf Biermanns „Lass dich nicht verhärten“ seine sieben Thesen vor:

1) Zunehmende Empörungskultur und Beschleunigung
2) Zunehmende Aggressivität und Empathieverlust
3) Zunehmende Vereinzelung und Entsozialisierung
4) Zunehmender Populismus
5) Institutionelle Delegitimation
6) Entwertung von Bildung
7) Soziale Segregation

Als Verantwortliche dafür nannte Rackles 1) die Medien, 2) die Medien und 3) die Medien. Außerdem: Eltern, Schüler, Lehrer, Nazis, Pornos, Ex-Politiker, Gymnasien, Privatschulen, Schlamperei und das Internet. Keine Rolle spielen bei ihm dagegen fehlende Lehrer, marode Gebäude und mangelnde Ausstattung der Schulen.

Die Lösungsvorschläge des Neu-Ex-Politikers (u.a.): eigene Redaktionen für die Verwaltung aufbauen, Pressekodex verschärfen, Anfragen von „Skandaljournalisten“ verschleppen, Elternkommunikation kontrollieren, „Desinformation“ sanktionieren, Schlafenszeit der Kinder regeln, Rundfunkinhalte auf antiinstitutionelle Grundaussagen beleuchten. Außerdem: versachlichen, entschleunigen, engagieren, integrieren, immunisieren, Haltung zeigen, auf Bildung, Regeln, Kompetenz und Konsequenz achten… uff, irgendwas vergessen? Ach ja: politisieren. Logo.

Rackles arbeitet übrigens an einem Buch zu seinen Thesen („Der Bildungsinfarkt“) und freut sich über Feedback bis zum 31. August an: Kommentar@rackles.de. (Mehr zur Schulpolitik heute unter „Nachtrag“ weiter unten).