Kabarett „Distel“ an der Friedrichstraße gerettet
Die Zukunft des berühmtesten DDR-Kabaretts ist gesichert – mindestens zwei weitere Jahrzehnte verbleibt die „Distel“ an ihrem geschichtsträchtigen Gründungsort. Von Robert Ide
Sie war stachelig und stachelte zum Nachdenken an. Und sie tat denen weh, die das eigene Denken am liebsten allen verdenken wollten. In der „Distel“, dem Kabarett an der Friedrichstraße gegenüber vom „Tränenpalast“, lachte die DDR über die DDR und aus manchem Witz, der über die Parteioberen gerissen wurde, wurde Ernst – für die Volksunteren. Die sangen im Theater mit und dabei über sich selbst: „Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht. Meine Oma, die hat keene, Zahngold gibts für Ostgeld nicht.“ 30 Jahre und eine auch nicht immer lustige Wiedervereinigung später ist nun das Theater der Worte am traditionsreichen Orte gerettet.
Nach Checkpoint-Informationen hat die imperiale Immobilien-Firma Augustus von Internet-Milliardär Alexander Samwer einen neuen Mietvertrag für die nächsten 20 Jahre angeboten, plus Option auf weitere 10 Jahre. Und kein Witz: „Der Quadratmeterpreis liegt unter 20 Euro“, wie Distel-Geschäftsführerin Astrid Brenk bestätigt. Allerdings muss die Distel für diesen Deal mit ihrem Fundus in den Admiralspalast umziehen und ihr kleines Studio im Vorderhaus abgeben, in dem bisher der Nachwuchs kalauerte. Doch auch ohne Balkone zur Friedrichstraße lässt sich etwas denkbar Seltenes verkünden: eine echte Kabarettung.