Busse und Bahnen fahren in der Krise zu selten
Am schnellsten zum Virus kommt man wohl derzeit mit Bus und Bahn. Voll leer war es ja in Berlins Zügen nie. Doch gerade gebietet nicht nur der Anstand einen Abstand zum nächsten Fahrgast, sondern der gesunde Menschenverstand. Während erste Städte wie Jena bereits ein Maskentragegebot für die Öffentlichkeit erlassen (bundesdeutsche Debatte hier; Anleitung zum Selberbasteln einer Maske hier), drängeln sich die systemrelevanten Pendler trotz Kontaktsperren in U-Bahnen, die mit ausgedünntem Takt fahren.
„Es ist lächerlich, dass ich mich im Park nicht sonnen kann, aber dicht gedrängt U-Bahn fahren muss, weil die BVG seltener fährt“, schreibt uns eine Leserin. Auch bei der S-Bahn gerät manche Linie aus dem Takt. Die BVG gibt auf Nachfrage an, die Zahl der Fahrgäste sei um 70 Prozent zurückgegangen.
Deutlich angestiegen ist dagegen der Krankenstand bei den Fahrerinnen und Fahrern. Derzeit habe sich fast ein Viertel der 15.000 BVG-Beschäftigten krankgemeldet. Das ist doppelt so viel wie in normalen Zeiten und noch fünf Prozent mehr als bei starken Grippewellen der Vergangenheit. Die Einschränkung des Angebots soll offenbar auch das eigene Personal schonen.
Auf Kosten der allgemeinen Gesundheit? Die BVG sagt, dass sie den gewünschten Abstand von 1,5 Metern nicht gewährleisten müsse, „uns kann deshalb keiner verklagen“, hieß es. Jeder Fahrgast könne und müsse selbst entscheiden, ob er noch mit der Bahn fahren wolle. Der Verkehrsclub Deutschland appellierte dagegen, den Fahrplan nicht zu stark auszudünnen. Verbandssprecher Philipp Kosok empfiehlt: „Lieber auch mal warme Luft durch die Gegend fahren, bevor sich Menschen in volle Fahrzeuge drängen müssen.“ Und am liebsten wäre allen wohl: reine Luft.