Leerstand ist nicht das Problem
Nach Besetzung und Räumung in Neukölln leistet sich die Koalition ein kleines Häuserkämpfchen: Bei Grünen und Linken halten manche die Besetzung für legal und die Räumung für fatal, bei der SPD sehen sie es genau andersherum (mehr dazu unter „Zitat“). Dabei ist das Thema eigentlich gar keins, die Wohnungsnot ist diesmal keine Leerstandsgeschichte: Nicht etwa 100.000 Einheiten werden, wie oft behauptet, durch Nichtvermietung dem Markt entzogen, sondern allenfalls (und überwiegend kurzfristig) 18.000 – das reicht kaum noch als „Fluktuationsreserve“. Und Jahr für Jahr gibt es weniger leerstehende Wohnungen, die Quote liegt jetzt, je nach Zählweise, zwischen 1,1 und 1,8 Prozent. Das ist zu wenig für eine neue Hausbesetzerbewegung – und nicht genug für eine Neuvermessung der Kräfteverhältnisse im Senat.