Wie die Staatskapelle die Welt rettet – jedenfalls ein bisschen

Die „Orchester des Wandels“ unterstützen die Wiederaufforstung auf Madagaskar. Ein Gespräch über die besondere Verantwortung von Musikern. Von Lorenz Maroldt.

Wie die Staatskapelle die Welt rettet – jedenfalls ein bisschen
Foto: Benjamin Peti/picture alliance/dpa

An dieser Stelle könnte dramatische Musik erklingen, z.B. „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky (auch wenn ja schon Sommer ist) – aber wir sprechen hier lieber mal kurz mit Markus Bruggaier, Hornist der Staatskapelle Berlin und Mitgründer der „Orchester des Wandels“, eine der ersten Klima- und Umweltschutzinitiativen der deutschen Klassiklandschaft:

Herr Bruggaier, wie können Orchester zum Klimaschutz beitragen?

„Lange war sich die Kulturszene da sehr unsicher. Schließlich beschäftigen wir uns nur mit „Liebe und Tod“, wie Marcel Reich-Ranicki vielleicht gesagt hätte, und alles andere ist nicht existentiell genug. Aber wir können die Veränderungen um uns herum nicht einfach ausblenden, dann stehen wir am Ende wie Saurier da. Mir ist wichtig, dass wir Musiker beim Klimaschutz liefern, auf allen Ebenen.“

Was bedeutet das konkret?

„Wir Musiker von der Staatskapelle Berlin haben 240.000 Bäume in Madagaskar pflanzen lassen, 140.000 kommen bald dazu. Der Instrumentenbau trägt viel bei zur Abholzung weltweit, 30 Millionen Griffbretter für Gitarren und Streichinstrumente werden jedes Jahr aus madegassischem Ebenholz gefertigt – es ist dafür das beste der Welt. Inzwischen sind dort 90 Prozent der Wälder abgeholzt. Durch unsere Baumpflanzungen sind wir vermutlich das erste Orchester weltweit, das sich klimaneutralisiert hat – auch wenn wir das aus rechtlichen Gründen als Privatpersonen machen.“
 
Und welche Rolle spielen dabei die „Orchester des Wandels“?

„Das sind Musikerinnen und Musiker aus sehr vielen bedeutenden Orchestern, die wie in einer Graswurzelbewegung für den Klimaschutz eintreten. Wir wollen, dass der Klimaschutz in den Kulturauftrag aufgenommen wird. Wir spielen Benefizkonzerte, erarbeiten Leitfäden, wie die Konzertorganisation klimaneutral gestalten kann – und pflanzen eben Bäume!“