Die Müllsammlerin vom Boxhagener Platz

Wenn Dinge etwas über Menschen erzählen können, dann sind es die Dinge, die Menschen wegwerfen. Laura Schilling sammelt morgens den Müll auf, den andere Leute nachts am Boxhagener Platz fallen, stehen und liegen lassen: ausgetrunkene Flaschen, ausgedrückte Zigaretten, ausgezogene Klamotten. 2500 Beschäftigte der Straßenreinigung sind täglich unterwegs, pro Jahr kehren sie 48.000 Tonnen Kehricht zusammen. Laura Schillings Tag beginnt morgens um halb vier – da schmiert sie Brote für ihre beiden Kinder, bevor um fünf Uhr die Schicht startet. Das frühe Aufstehen findet die gelernte Zootierpflegerin gut, um nachmittags Zeit für ihre Familie zu haben (Porträt hier). Zwischendrin sammelt die 34-Jährige mitten in der Stadt endlos viele Kronkorken ein. „Klar, anderswo ist es sauberer als in Berlin“, sagt Schilling. „Aber auch nicht so bunt.“ So wie es die Menschen eben gerne treiben, wenn sie sich fallen lassen. Und nachts alles zum Wegwerfen finden. Sich selbst am meisten.