Die AfD zieht erstmal doch nicht nach Spandau
Am Montag hat der Tagesspiegel berichtet, dass die AfD ein Haus auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsverbrechergefängnisses in Spandau kaufen oder mieten und als Parteizentrale nutzen möchte. Da verwies der Eigentümer noch auf Vertraulichkeit. Gestern teilte Stefan Klingsöhr dann mit: Es werde keinen Deal mit der AfD geben.
Einer, der deswegen aufatmen wird, ist CP-Leser Michael B. Er hat einen Teil seiner Kindheit auf dem Gefängnisgelände verbracht, lebte mit seinen Eltern in einer Dienstwohnung. Denn sein Vater, ein Holländer, der im Nationalsozialismus Zwangsarbeiter war, bekam 1947 eine Anstellung als Sanitäter im Gefängnis. „Ich habe nie erlebt, dass mein Vater ein einziges Mal im Zorn oder Hass über die Gefangenen gesprochen hat, trotz der bösen Erfahrungen als Zwangsarbeiter“, schreibt Michael B. Dass nun eine Partei, die den Ideen des Tausendjährigen Reichs „sehr zugeneigt“ zu sein scheine, auf diesem historischen Gelände ihre Parteizentrale plane, sei für ihn „ein Alptraum“.
Die gestern angekündigte Diskussion mit SPD-Fraktionschef Raed Saleh („Wir brauchen keine Faschisten in Spandau“) findet trotzdem statt. Denn der Umgang von Parteien mit der AfD ist ein grundsätzliches Thema. Wer mitstreiten möchte: Freitag, 18. Oktober, 17.30 Uhr im Tagesspiegel-Verlagshaus am Askanischen Platz. Anmeldungen (inklusive kurzer Begründung) nehmen wir unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen.
Was ein schönes Zeichen ist: Der noch unbenannte Platz neben dem ehemaligen Gefängnisgelände wird ab Frühjahr 2020 „Platz der Weißen Rose“ heißen. Und damit mutige Menschen ehren, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen Terror und Willkürherrschaft auflehnten.