Gentrifizierung in Berlin: Welche Quadratkilometer die drastischsten Preissteigerungen verzeichnen
Mit einem Weihnachtswunder auf dem Wohnungsmarkt ist leider nicht zu rechnen. Eine Analyse, auf den Quadratkilometer genau, zeigt die stärksten Mietanstiege seit 2009. An der Spitze steht ein Kiez in Neukölln. Von Nina Breher und Helena Wittlich
Schwunglose Weihnachtsstimmung ist natürlich nichts gegen den Wohnungsmarkt, auf dem es bekanntlich übel aussieht. Mit einem Weihnachtswunder ist nach Checkpoint-Informationen nicht zu rechnen. Daten vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigen, wo in Berlin die Immoscout-Angebotsmieten seit 2009 am stärksten gestiegen sind. Das Tagesspiegel Innovation Lab hat sie ausgewertet. Die Angaben beziehen sich auf kleine räumliche Einheiten von einem Quadratkilometer. Das sind die Gegenden mit den drastischsten Mietsteigerungen:
Platz eins: ein Neuköllner Quadratkilometer rund um den Herrfurthplatz nahe des Tempelhofer Feldes. Hier stiegen die durchschnittlichen Angebotsmieten von 5,62 Euro 2009 auf 17,53 Euro in 2023 – also um schlappe 210 Prozent.
Auch in Rixdorf ist Musike: Rund um Richardplatz, Sonnenallee und Kanal stiegen die Mieten am zweitstärksten von 5,39 Euro auf 16,01 Euro – immerhin „nur“ 200 Prozent Steigerung. Platz drei: Rund um Jüdisches Museum, Blücherstraße und südliche Friedrichstraße in Kreuzberg stiegen die Mieten um 195 Prozent.
Die Gegenden mit den moderatesten Steigerungen liegen – wenig überraschend – am Stadtrand. Der einzige Quadratkilometer Berlin, in dem die Angebotsmieten gefallen sind, ist fast schon Brandenburg. In Wilhelmshagen, nordöstlich von Neu-Venedig, fiel der Durchschnittswert von 10,35 auf 7,70 Euro. Die geringste prozentuale Steigerung verzeichnet die Gegend westlich der Neuen Wiesen in Köpenick (von 6,54 auf 6,83 Euro). Platz drei liegt rund um die Kreuzung Bitterfelder Straße / Märkische Allee in Marzahn. Hier stiegen die Mieten um sieben Prozent.
Berücksichtigt sind in der Auswertung nur Quadratkilometer, in denen es ausreichend Wohnungsangebote gab. Außerdem haben die RWI-Forscher die Angebotsmieten statistisch verwertbar gemacht, indem sie Faktoren wie Baujahr, Balkone und mehr eingerechnet haben. Hier geht’s zur deutschlandweiten Analyse.