Aufstand gegen den Chef der Senatskanzlei im Heimatbezirk
Die Kreisverbände der Berliner SPD sind kleine Königreiche – und in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt’s gerade einen Aufstand. Das Pikante daran: Hier regiert seit ewigen 22 Jahren Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei sowie langjähriger Vertrauter und Statthalter von Michael Müller. Als Gaeblers Thron im vergangenen Jahr stark zu wackeln begann, versprach er dem unruhig gewordenen Volk seine Demission bis Ostern 2019, seinen jüngeren Nachfolger wollte er selbst bestimmen. Doch der Auserwählte suchte das Weite (neuer Job, größere Familie) – und Gaebler blieb einfach sitzen, gelegentlich lautstark (manche sagen auch brüllend) unterstützt von Müllers Planungschef Robert Drewnicki.
Das wiederum wollten zwei Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands nicht länger auf sich sitzen lassen – gestern Abend legten die Vize-Vorsitzende Ann-Kathrin Biewener und Kassenwart Christian Hochgrebe ihre Ämter nieder. Das Kündigungsschreiben der beiden erlaubt einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten zur neunten Staffel von „Blame of Thrones“:
„Es fehlt gänzlich an einem Teamgedanken. Vielmehr ist die Arbeit im gKV von ständigem Misstrauen geprägt“, heißt es da. Die Arbeit? „Zum Stilstand gekommen“. Das Klima? „Vergiftet“. Die Rede ist von „persönlichen Fehden“ und „kreisfremden Interessen“, und weiter: „Wir sind erschüttert, mit welcher Brutalität geleistete Arbeit vernichtet und in Abrede gestellt wird, wie Genossinnen und Genossen gegeneinander aufgehetzt und emotional aufgerieben werden.“
Die Abtrünnigen kündigen einen späteren Rückeroberungsversuch an, von Gaebler heißt es, er wolle die Leerstellen im nun halbierten gKV u.a. mit seinem persönlichen Referenten besetzen. (Mehr Namen und Details der Affäre gibt es heute Nachmittag im ChaWi-Newsletter meines wie immer bestens informierten Kollegen Cay Dobberke zu lesen - kostenlose Anmeldung hier).