Warum in Berlin nichts besser wird
Die Spätfolgen der Sparpolitik treffen auf armselige Amtsführung und verursachen einen Kurzschluss nach dem nächsten. Keine Besserung in Sicht. Ein Kommentar. Von Lorenz Maroldt
Zurück zur Frage: Was ist nur los mit Berlin, der Hauptstadt der organisierten Unzuständigkeit, dem Meister im Behörden-Pingpong? Der Befund, jenseits von Folklore und Fatalismus: Da trifft die Spätfolge der Sparpolitik auf die Armseligkeit der Amtsführung, das Ergebnis: ein Kurzschluss nach dem nächsten.
Ein Beispiel dafür ist das komplett unterbesetzte Jugendamt Tempelhof-Schöneberg – in einem Bericht konstatiert Stadtrat Oliver Schworck (zuständig für Jugend, Gesundheit und Schule), dass „viele sehr schwierige Fallkonstellationen (…) von vielen dienstjungen Mitarbeit..innen (sic!) bearbeitet werden.“ Und weiter: „Dabei kommt es auch zu Situationen, für die sie fachlich gar nicht ausgebildet sind.“ Seine programmatische Schlussfolgerung: „Es bleibt abzuwarten …“.
Aber wie lange denn noch? Und worauf? Oder auf wen? Wer erklärt sich denn mal endlich dafür zuständig, an den Zuständen etwas zu ändern – und das dann auch tatsächlich zu tun?
Im Jahr 2018 schrieb zu seinem Abschied einer der dienstältesten Bezirksbeamten an alle Schulleitungen von Tempelhof-Schöneberg, er wünsche ihnen „den Eintritt von Wundern und Erleuchtungen“.
Doch die blieben aus – und Stadtrat Schworck durfte so weitermachen wie bisher. Als alle Gymnasien und die größten Sekundarschulen des Bezirks sich im September 2021 bei Bürgermeisterin Angelika Schöttler darüber beklagten, dass bei Schworck und seinem Amt kein Durchkommen ist, weder per Mail noch telefonisch, und sie wegen unbearbeiteter Anliegen handlungsunfähig seien, sprach Schworck das Schreiben bei einer Konferenz mit den Leitungen der Grundschulen an – obwohl die mit der Beschwerde gar nichts zu tun hatten. Teilnehmer der Runde sagen, Schworck habe drohend gewarnt, man sehe sich immer zweimal im Leben. Aus Sicht der SPD hat er sich jedenfalls für eine weitere Runde als Stadtrat qualifiziert.
Wie es mit den zwölf Schulstadträtinnen und -räten nach der Wahl weitergeht (oder eben auch nicht), hat Susanne Vieth-Entus recherchiert – ihren Bericht finden Sie heute im Tagesspiegel.
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