bei der Flughafeneröffnung vor einem Jahr hatte Bundesauspuffminister Andi Scheuer verkündet:
„Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt zu Ende sein.“
Tatsächlich gibt’s seitdem nichts mehr zu lachen, jedenfalls nicht für die Passagiere. In Berlin ist es schon eine Meldung wert, wenn der BER den internationalen Medien mal keine Meldung wert ist, und das sieht dann so aus:
„Schlangen am BER, aber kein Chaos“ (Berliner Zeitung)
„Chaos am BER bleibt aus“ (Morgenpost)
„Lange Schlangen und weniger Probleme“ (B.Z.)
„Chaos am Flughafen bleibt aus“ (Tagesspiegel)
Mit anderen Worten: Es herrscht nur der ganz normale Wahnsinn. Eine Liste neuer, ausgewählter Wochenendpannen finden sie heute in der Checkpoint-Vollversion (zur Anmeldung für den kostenlosen Probemonat geht’s hier).
Zum Trost schreibt unsere USA-Korrespondentin Juliane Schäuble: „Na, immerhin etwas: Ab Mai 2022 gibt es wieder einen täglichen Direktflug von Berlin nach Washington.“ Die Reaktion ihres Kollegen Karl Doems vom Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Aber man muss spätestens im April am BER sein.“
Ok, auch an den Flughäfen anderer Städte geht mal was schief – dafür funktioniert dort aber zumeist der Rest der Stadt leidlich. Ja, Berlin bleibt anders, da hat der Senat schon recht (auch wenn er es ganz anders gemeint hat): Unsere Stadt funktioniert eben einfach nicht richtig, und das schon seit Jahren. Auch Kollegen aus anderen Städten stellen das immer wieder aufs Neue fest:
Benedict Neff (NZZ) fand Berlin „ein bisschen wie Afrika“ – er flüchtete zurück nach Zürich.
Jan Fleischhauer (Focus) wähnte sich „in Venezuela" – ihn zog es weiter nach München.
Marcus Weingärtner von der Berliner Zeitung fühlt sich nach einer Landung in der „BER-Hölle“ jetzt hier „wie in Kalkutta“ – mal sehen, wohin es ihn verschlägt, vielleicht in seine Heimatstadt Stuttgart.
Ein Letztes für heute zum BER: Mit nur einem Jahr Verspätung steigt am 23. Oktober um 20 Uhr im Heimathafen Neukölln das nationale „Reporter-Slam“-Jahresfinale 2020. Mit dabei sind selbstverständlich die Berliner Regionalsiegerinnen Ann-Kathrin Hipp und Nadine Voß von Team Checkpoint, die vor zwölf Monaten das Jury-Publikum mit ihrer BER-Präsentation begeisterten. Wer sie anfeuern möchte: Tickets gibt’s hier.
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Die Berliner Wasserbetriebe versorgen die Stadt mit frischem Trinkwasser. Doch die trockenen Sommer machen auch ihnen zu schaffen. Deshalb entwickeln sie Konzepte für eine sichere Wasser-versorgung. Auch Sie können mit-helfen: Nutzen Sie Gießwasser für den Garten sinnvoll und wässern Sie Ihren Rasen nur morgens oder abends. Ganz klar für Berlin. berlinerwasser.de
Zurück zur Frage: Was ist nur los mit Berlin, der Hauptstadt der organisierten Unzuständigkeit, dem Meister im Behörden-Pingpong? Der Befund, jenseits von Folklore und Fatalismus: Da trifft die Spätfolge der Sparpolitik auf die Armseligkeit der Amtsführung, das Ergebnis: ein Kurzschluss nach dem nächsten.
Ein Beispiel dafür ist das komplett unterbesetzte Jugendamt Tempelhof-Schöneberg – in einem Bericht konstatiert Stadtrat Oliver Schworck (zuständig für Jugend, Gesundheit und Schule), dass „viele sehr schwierige Fallkonstellationen (…) von vielen dienstjungen Mitarbeit..innen (sic!) bearbeitet werden.“ Und weiter: „Dabei kommt es auch zu Situationen, für die sie fachlich gar nicht ausgebildet sind.“ Seine programmatische Schlussfolgerung: „Es bleibt abzuwarten …“.
Aber wie lange denn noch? Und worauf? Oder auf wen? Wer erklärt sich denn mal endlich dafür zuständig, an den Zuständen etwas zu ändern – und das dann auch tatsächlich zu tun?
Im Jahr 2018 schrieb zu seinem Abschied einer der dienstältesten Bezirksbeamten an alle Schulleitungen von Tempelhof-Schöneberg, er wünsche ihnen „den Eintritt von Wundern und Erleuchtungen“.
Doch die blieben aus – und Stadtrat Schworck durfte so weitermachen wie bisher. Als alle Gymnasien und die größten Sekundarschulen des Bezirks sich im September 2021 bei Bürgermeisterin Angelika Schöttler darüber beklagten, dass bei Schworck und seinem Amt kein Durchkommen ist, weder per Mail noch telefonisch, und sie wegen unbearbeiteter Anliegen handlungsunfähig seien, sprach Schworck das Schreiben bei einer Konferenz mit den Leitungen der Grundschulen an – obwohl die mit der Beschwerde gar nichts zu tun hatten. Teilnehmer der Runde sagen, Schworck habe drohend gewarnt, man sehe sich immer zweimal im Leben. Aus Sicht der SPD hat er sich jedenfalls für eine weitere Runde als Stadtrat qualifiziert.
Wie es mit den zwölf Schulstadträtinnen und -räten nach der Wahl weitergeht (oder eben auch nicht), hat Susanne Vieth-Entus recherchiert – ihren Bericht finden Sie heute im Tagesspiegel.
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Neu ist, andere Wege zu gehen. Den Status Quo zu hinterfragen. Die Perspektive zu wechseln.
Neu ist, vor dem Loslaufen in Richtung Zukunft einen Moment innezuhalten. Damit Machen auch Schaffen bedeutet. Und der eigene Standpunkt zum Startpunkt wird.
Neu beginnt mit Ihnen. Und mit uns. Neu beginnt gemeinsam!
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Timm Beichelt, Professor für Europa-Studien in Frankfurt (Oder), war für die OSZE als Wahlbeobachter unter anderem in Russland. Über die Wahlen in Berlin sagt er: Zwei Vorfälle könnten mandatsrelevant sein – und deshalb zu einer Wiederholung führen. Profitieren würde davon u.a. möglicherweise eine prominente Wahlverliererin. Welche Schlussfolgerungen Beichelt aus dem Wahlausschussbericht zieht und was das für das Urteil des Verfassungsgerichts bedeutet, können Sie heute in der Checkpoint-Vollversion und im Tagesspiegel-Beitrag von Sonja Wurtscheid lesen.
Erst ist ein Kind der 1b infiziert, dann sind es fünf, bald acht. Und jetzt? Lena Högemann schreibt heute im Tagesspiegel als betroffene Mutter über eine weinende Tochter, ratlose Eltern, überforderte Schulen, unerreichbare Gesundheitsämter („Aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens sind wir nicht in der Lage…“) – und trifft eine schwere Entscheidung. Ihren nahegehenden Text finden Sie hier (Abo).
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Wie kann Europa sozialer und gerechter werden? Jetzt bis zum 24.10. hier anmelden für den Berliner Bürgerdialog!
Berlin beteiligt sich an der europaweiten Debatte zur Zukunft Europas. Wir verschaffen den Berliner Ideen und Forderungen Gehör! Die Teilnahme ist ab 16 Jahren möglich. www.berlin.de/zukunftskonferenz
Berliner Schnuppen
Telegramm
Auch in den Berliner Unis wird gewählt – an FU und TU stehen die amtierenden Präsidenten unter Druck. Unser Hochschulexperte Tilman stellte jetzt fest: „Die Stimmung ist explosiv.“ Seinen Bericht finden Sie hier (Abo).
Übrigens: Die Hochschule für Technik (ehemals Beuth) vergibt für ihre hochschulinternen Gremienwahlen den Auftrag für eine Wahl-Software – vielleicht wäre das ja auch was für die nächste Abgeordnetenhauswahl.
Nach Grünheide wird jetzt auch Schwarzheide elektrifiziert: Die BASF investiert massiv in ihr Lausitzer Batteriegeschäft. Der Umbenennung von Brandenburg in Goldheide steht damit nichts mehr im Weg – das neue Wappenzeichen des Landes ist der Akku.
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Digitale Schnitzeljagd im Schlossgarten Charlottenburg
Im Game-Rundgang finden Kinder mit ihren Familien per GPS-Suchfunktion ganz besondere Orte im Schlossgarten Charlottenburg. Durch knifflige Quizfragen und spannende Herausforderungen werden dabei gemeinsam Geheimnisse zu ehemaligen Schlossbewohnern oder Gartenkünstlern gelüftet.
Zum Spiel
Mitte-Bürgermeister Stephan von Dassel hat mal wieder eine Idee: Wegen des Lärms der Kneipen am Weinbergpark sollen die Gastwirte eine „Charta der Rücksicht“ unterzeichnen – und für Beschwerden genervter Anwohner wird ein „Bar-Telefon“ eingerichtet. Anima Müller hat sich die Sache angeschaut, mit Gastronomen gesprochen – und ist skeptisch. Ihren Bericht finden Sie hier (Abo).
Einer der Anwohner vom „Weini“ ist Checkpoint-Leser Robin Detje – er hat uns gestern Abend gesagt, was er von der „Charta“-Idee hält:
„Hier brummen die Läden, und wer in dieser Straße ein Lokal hat, ist kein Opfer einer Pandemie oder spießiger Nachbarn. Es geht den meisten einfach darum, mit immer mehr Rücksichtslosigkeit immer mehr Geld zu verdienen. Für die Charta gibt es keinen Fahrplan, im Moment ist sie ein Placebo für die Anwohnerinnen und Anwohner, deren Rechte schon seit Jahren ignoriert werden, während man wie üblich nichts und niemanden kontrolliert.“
Neues vom Lageso, Berlins beliebtester Behörde nach dem Bürgeramt und der KfZ-Zulassungsstelle – zunächst die Theorie: „Die aktuellen Bearbeitungszeiten betragen für Erstfeststellungen 134 Tage und für Neufeststellungen 164 Tage“, heißt es auf der Website des Senats. Und jetzt zur Praxis: Eine Checkpoint-Leserin wartete auf einen Feststellungsbescheid wegen ihres E-Rollstuhls 495 Tage – bis sie ihren Schwerbehindertenausweis hatte, vergingen sogar 519 Tage. Das dürfte Berlinrekord sein – oder bietet jemand mehr?
Das Betriebsstörungsbingo wird Ihnen heute serviert von Checkpoint-Leser Frank Nägele aus dem ICE 371: „Aufgrund von Geschirrmangel schließt das Bordrestaurant für 25 Minuten. Es muss erst mal der Waggon auf Vordermann gebracht werden.“ CP-Analyse: Keine Angst – die wollen nur spülen.
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Lassen Sie sich von den Ländern der Alpenregion verzaubern. Stationen Ihrer Alpenrundfahrt sind die Schweiz, Liechtenstein und Österreich, mit Besuch der Bregenzer Festspiele 2022. Jetzt auf Tagesspiegel-Reisen.
Am 8. März 2021 verkündete die SPD unter der Überschrift „Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland vollenden“: „Wenn mehrheitlich Männer in der Politik entscheiden, dann fehlen wichtige Sichtweisen.“ Die Partei forderte deshalb „mehr Frauen in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft“.
Am 17. Oktober 2021 verkündete der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans, wie das bei den drei wichtigsten Staatsämtern künftig aussehen könnte: 1. Bundeskanzler Olaf Scholz (63, Mann); 2. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, Mann); 3. Bundestagspräsident Rolf Mützenich (62, Mann). Dazu noch mal der Chef Walter-Borjans (69, Mann): „Alle drei sind herausragende Persönlichkeiten, die drei Ämter hängen nicht miteinander zusammen.“ Als Nachfolger für Mützenich im Amt des Fraktionsvorsitzenden ist übrigens Lars Klingbeil im Gespräch.
Es kommentiert die SPD selbst: „Wir meinen: So etwas darf nicht noch einmal passieren!“ (Aus der Resolution des Parteivorstands zum 8. März 2021).
Mit einem geliehenen 610-PS-Audi raste ein Irrer über die Karl-Marx-Straße, nutzte die Mittelinsel als Abschussrampe, krachte in einen Kleinwagen und einen Familien-Van, rammte einen Postkasten und schob mehrere weitere Wagen zusammen – die Trümmerteile verletzten einen Fußgänger, auch die Kleinwagenfahrerin und die Audi-Insassen kamen ins Krankenhaus.
Und hier die Liste der momentan ausgeschriebenen Werbeartikel, die das Polizeipräsidium für die Verkehrsunfallprävention kaufenmöchte (Auszug / Q: PPrBln 482_21 und PPrBln 483_21):
1000 Geduldspiel-Sets
3000 Bade-Enten vom Typ „Polizist“
3000 Anti-Stress-Figuren „Herr Bert (PoliBert)“
6000 Haftnotiz-Heftchen
Ob letztere auch im Gefängnis eingesetzt werden, blieb zunächst ungeklärt.
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Nachtrag I: Die Berliner Schriftstellerin Iris Hanika hat sich zur Feier ihres heutigen Geburtstags eine Leserinnenmail an den Checkpoint geschenkt – sie war nicht einverstanden mit der Meldung zum amtlichen Endergebnis des Volksentscheids, das höher ausfiel als zunächst verkündet, und meint, dass wir, anstatt uns Gedanken zu machen, „auf der Kampagne herumhacken“:
„Ordentlich zugelegt hat der Volksentscheid, nicht die Interventionistische Linke. Es wurde nämlich nicht über eine Partei oder sonstige Gruppierung abgestimmt, sondern einem Volksentscheid zugestimmt – und das in so großer Zahl, daß man kaum von Sektierern sprechen kann. 57,6 % nennt man „absolute Mehrheit“. Wie wär’s, wenn Sie das mal in der Rubrik ‚Rechnen mit dem Checkpoint‘ behandelten?“
Na ja, rechnerisch gibt die Sache nicht so viel her – das Ergebnis ist ziemlich klar. Interessanter ist da schon, wie es zu interpretieren ist (und wie der künftige Senat damit umgeht). Statt Mathe schlagen wir deshalb heute „Lesen mit dem Checkpoint“ vor – und empfehlen dazu den wunderbaren Kreuzberg-Liebesroman „Treffen sich zwei“ von Iris Hanika aus dem Jahr 2008. Es ist für mich eines der schönsten Berlin-Bücher überhaupt.
Nachtrag II: Ganz ohne Mathe geht’s heute aber nicht – auch Marcus Beuthe meint, einen Rechenfehler entdeckt zu haben, und zwar in der Meldung über die vielen Krankentage bei der Parkraumbewirtschaftung Charlottenburg-Wilmersdorf:
„Bei 366 Tagen im Jahr müssen noch circa 110 Tage Wochenende abgezogen werden sowie sicherlich sechs Wochen Urlaub, so dass eine effektive Anzahl an Sollarbeitstagen von circa 220 Tagen zu Grunde gelegt werden müsste. Wenn davon noch 105 Krankentagen runter gehen, stellt das nicht eine dreieinhalb-Tage-Woche dar, sondern eine zweieinhalb-Tage-Woche. Wahnsinn was da los ist.“
Die komplette Auswertung der Krankentage in den Berliner Verwaltungen durch unser Datenteam finden Sie hier (Abo).
Nachtrag III: Checkpoint-Leser Dieter Hartmann meint, dass neben Heinz Buschkowsky auch unsere Meldung zur Räumung des Wohnwagenplatzes an der Köpenicker Straße „nur im Suff zu ertragen“ ist – er findet es „armselig“, auch auf fragwürdige Schläge von Polizisten hinzuweisen (die auf Videos zu sehen sind). Randalierer hatten die Einsatzkräfte u.a. mit Steinen beworfen. In ihrer Bilanz spricht die Polizei von 46 verletzten Beamten und 76 Festnahmen.
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Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“, Folge 31: Was dürfen Nippel?
Sei es beim Stillen oder im Live-Fernsehen, entblößte Brustwarzen von Frauen sorgen schnell für Empörung. Dr. Mandy Mangler spricht in der neuen Folgen ihrer unzensierten Sprechstunde über BH-Zwang an Schulen, #FreeTheNipple und erklärt, wo man legal seine nackten Brüste zeigen darf. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Zitat
„Schluss mit dem Berlin-Bashing!“
Flughafen-Desaster, Wahl-Debakel und ein „Big City Club“, der nur als Lachnummer taugt? Damit ist nach Herthas Sieg in Frankfurt nun Schluss – hofft zumindest unser Kolumnist Frank Lüdecke (Abo).
Tweet des Tages
Berlin ist so eine geile weltoffene Metropole und ey du kannst so crazy sein wie du willst und es ist einfach okay aber versuch mal sonntags um 17 Uhr noch irgendwo ein Brot zu kaufen dann bist du ein FREAK
Stadtleben
Neu in Mitte – Zum Frühstück ins Theater zu spazieren, scheint abstrus – nicht aber an der ewig changierenden Potsdamer Straße: Galant-gediegen speisen Besucher seit wenigen Tagen im frisch herausgeputzten Café Wintergarten. Zwischen herrlich prätentiösem Kronleuchter und Blumengesteck wandern Etageren auf die Tische des Spiegelsaals, die Prosciutto, Pecorino und Jacobsmuscheln tragen (14 Euro). Alternativ kommen Eggs Benedict oder Mandelmilch-Porridge auf die Teller, dazu gibt‘s Iced Coffee und Erdbeer-Prosecco. Einziger Haken: Frühstück serviert das Lokal berlin-untypisch wochentags bis gerade einmal 12 Uhr – wer um diese Zeit noch in den wohligen Decken steckt, reserviert stattdessen einen Dinner-Platz und probiert sich durch Safranrisotto und Kumquat-Gin. Welche Dämmerung Sie auch wählen: Prosit! 8-23 Uhr, Potsdamer Straße 96, U-Bhf Kurfürstenstraße
Last-Minute-Tickets – Pumpernickel und Wodka-Pasta finden Nachtschwärmer derweil im schillernden Zelt eines anderen Varieté-Hauses: Von „Ladies, Lametta und Latex“ singt am Abend der englische Künstler Jack Woodhead in der wunderbar-schummrigen Bar jeder Vernunft – bei stilgemäßer Dinnerbegleitung, versteht sich. In Paillettenkleidern und Lederanzügen spielt der ausgebildete Pianist Beethoven und musikalische Comedy samt berlinesk-frivolem Text, während Kartoffelsüppchen und ein Aperol nach dem nächsten vorbeiwandern. Ob dabei lieber Kostüm, Makeup oder Klaviertasten bestaunt werden sollten, bleibt ein konstantes Dilemma – erste Einblicke finden Sie hier, gesungen wird ab 20 Uhr. Für letzte Tickets (ab 25 Euro, exklusive Kulinarik) bitte diesem Link folgen.
Südwesttour – Als Geheimtipp mögen die Weiten des Grunewalds längst ausgedient haben – doch eine Tagesexpedition in Berlins Südwest-Wildnis lohnt dieser Tage trotz regem Spazierverkehr. Zwischen herrlich frischem Laub, morschem Geäst und Kinderwagen findet sich ein Netz aus kleinen Schätzen, die schnellstens entdeckt werden möchten: In hunderten von kleinen Behältern finden Frönende des Geocachings per GPS Figuren, Grüße und Namenslisten, die es fortzuführen gilt. Ob unter dem verdächtigen Stein oder inmitten des Blätterberges: Karten zu den Verstecken finden Sie hier, die Anmeldung ist kostenfrei. Wem vom Suchen die Füße schmerzen, begibt sich anschließend geradewegs ins charmante Jagdschloss Grunewald, das hinter seinen weißen Wänden eine stattliche Cranach-Sammlung verbirgt. Ist auch diese per Privatführung erschlossen, geht es mit Café-Häppchen im Gepäck über Bezirksgrenzen hinweg zum Charlottenburger Drachenberg – zum Abendpicknick bei Berlinblick. Lenkdrachen nicht vergessen!
Noch Hingehen – Von Tintenfischen, Cancel Culture und Kolonialismus: Wer das nächste Festival of Lights bereits elf Monate im Voraus herbeisehnt, nimmt im bizarr-sterilen Schlüterhof des Humboldt Forums Platz. Noch bis zum 31. Oktober strahlt die Fassade des Berliner Schlosses in den Farben dreier Kunstfilme, die Klima, Nationalismus und die Reise-Entdeckungen Humboldts zu melancholisch flimmernden Gegenständen machen – und ihre Schloss-Leinwand hinterfragen. Zu besuchen täglich ab 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Grübelstoff – Von Umweltzerstörung bis Kolonialkritik: Welche Botschaft würden Sie gern einmal quer übers Berliner Schloss flackern lassen?
Berlin heute
Verkehr – Kantstraße (Charlottenburg): Zwischen Krumme Straße und Leibnizstraße ist stadteinwärts nur ein Fahrstreifen verfügbar (bis Ende des Jahres).
Adlergestell (Adlershof/Niederschöneweide):Stadteinwärts sind auf Höhe S-Bhf Johannisthal nur zwei Spuren befahrbar (bis Anfang November).
Rhinstraße/Hauptstraße (Alt-Hohenschönhausen): Auf der Rhinstraße ist in Richtung Landsberger Allee nur ein Fahrstreifen verfügbar, zudem ist ausgehend von der Hauptstraße das Rechtsabbiegen in die Rhinstraße nicht möglich (bis Freitag).
Hultschiner Damm/Hönower Straße (Alt-Mahlsdorf): Die Straße Alt-Mahlsdorf ist stadteinwärts auf eine Spur verengt, stadtauswärts ist das Linksabbiegen in die Hönower Straße nicht möglich. Vom Hultschiner Damm kann nicht links auf die Straße Alt-Mahlsdorf eingebogen werden (bis Anfang November).
Hermannstraße (Neukölln): Aufgrund eines Ausbaus der Radwege kommt es insbesondere ab der Glasower Straße in Richtung Norden zu Verkehrsbeeinträchtigungen (mehrere Wochen).
Pankow: Im Zuge einer Demonstration kann es rund um Prenzlauer Allee, Stargarder Straße, Schönhauser Allee, Berliner Straße und Breite Straße zu Verkehrseinschränkungen kommen (14-18 Uhr).
A111 (Reinickendorf-Zubringer): Nächtliche Sperrung zwischen Am Festplatz und Waidmannsluster Damm (21-5 Uhr). Ab 0 Uhr ist in Richtung Oranienburg auch die Strecke bis Schulzendorfer Straße gesperrt.
Demonstration – Im Rahmen einer „Streikversammlung der Vivantes-Tochtergesellschaften“ am Schöneberger Auguste-Viktoria-Klinikum fordert die Gewerkschaft verdi „Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst für alle“. Es werden 150 Teilnehmende erwartet (9-11.30 Uhr). Unter dem Motto „Woche der seelischen Gesundheit: Gemeinsam über den Berg“ ziehen 150 Personen von der Prenzlauer Allee zur Berliner Straße in Pankow (angemeldet durch das „Stellwerk Berlin“, 14-18 Uhr). Im Rahmen eines „Gedenktags der Toten hinter Gittern“ protestiert das „Knastschaden-Kollektiv 1998“ in der Rudower Straße „gegen die ärztliche Versorgung hinter Gittern und ihre Einarztpolitik“ (50 Personen, 14-17 Uhr). Mit 30 Teilnehmenden demonstriert die Initiative „Deutschen Wohnen & Co. enteignen“ anlässlich der Sitzung des Grünen-Landesausschusses mit einer Kundgebung in der Sonnenallee (18-21 Uhr).
Gericht – Rund zwölf Jahre nach einem Schmuggel von Kokain aus Argentinien nach Berlin wird einem 53-Jährigen der Prozess gemacht. Die Drogen seien in mehreren Fällen in Portionen von jeweils etwa 200 Gramm mit der Post versandt worden. Mittäter des Angeklagten wurden bereits 2010 verurteilt (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 220).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Liebste Evi, einen wunderschönen Geburtstag in Leipzig bei vielleicht wunderschönem Wetter wünschen Dir Dorle und Werner“ / Iris Hanika (59), Schriftstellerin / Robert Harting (37), ehem. Diskuswerfer / Erik Niedling (48), Künstler / Michael Pan (69), Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher / Frank Schaff (56), Schauspieler und Synchronsprecher / Jennifer Ulrich (37), Schauspielerin / Nachträglich: Bettina Güldner, „Kunsthistorikerin, Kuratorin und kompetente Bauhaus-Expertin“
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Sigrid Kabel, * 12. Mai 1938 / Monika Labinski, * 14. Mai 1948 / Christel Stoeckel-Heilenz, * 4. Februar 1949, Ärztin für Anästhesie / Gisela Tiemann, * 8. Februar 1930
Stolperstein – Moritz Kiwi wurde am 25. Dezember 1865 in Szamotuły (Samter) geboren. Im September 1942 deportierten ihn die Nationalsozialisten nach Theresienstadt, wo er wenige Wochen später – heute vor 79 Jahren – ermordet wurde. An seinem ehemaligen Wohnort in der Charlottenburger Holtzendorffstraße 20 liegt zu seinem Gedenken ein Stolperstein.
Encore
Zum Schluss heute noch ein Tipp: „0-100 Years“ ist der Titel eines faszinierenden Filmprojekts von Jeroen Wolf: 101 Berlinerinnen und Berliner im Alter von 0 bis 100 sagen darin einfach nur, wie alt sie sind. Aufsteigend sortiert ziehen so in 3:16 Minuten 101 Berliner Gesichter, ja: 101 Berliner Leben an einem vorbei – und am Ende ist der Wunsch groß, noch einmal von vorn zu beginnen und die Gedanken fließen zu lassen. Das Video finden Sie hier.
Wieder mal von vorne begonnen und alles neu gemacht für den Checkpoint haben heute Lotte Buschenhagen (Stadtleben) und Cristina Marina (Produktion). Wir sehen uns hier morgen früh wieder – bis dahin,
