Verwaltung drängte Schulleitungen zu Astrazeneca
Berlin verlangte von weiterführenden Schulen noch am Freitag, alle Beschäftigten mit Astrazeneca impfen zu lassen – andernfalls würden sie zurückgestuft. Von Lorenz Maroldt
Was die Polizei uns verschwieg, als wir vor ein paar Tagen nach dem Impfstand fragten (CP vom 27.3. und vom 29.3.): Die Behörde hatte alle Astrazeneca-Termine für ihre Belegschaft bereits vor einer Woche gestoppt. Die Schulverwaltung drängte dagegen die Leitungen weiterführender Schulen noch am Freitag, alle Beschäftigten mit Astrazeneca impfen zu lassen – andernfalls würden sie zurückgestuft. Hier Auszüge aus einer Mail der Schulaufsicht Steglitz-Zehlendorf, die dem Checkpoint vorliegt:
„Das Impfangebot besteht nur für die Impfung mit diesem Impfstoff. Es besteht an dieser Stelle keine Wahlfreiheit. Wenn das Angebot von den Beschäftigten nicht angenommen wird, ‚rutschen‘ diese Personen wieder in die Impfgruppe 3 und müssen warten, bis diese Gruppe an der Reihe ist. Durch dieses Impfangebot sind die Beschäftigten in die Gruppe 2 bevorzugt aufgenommen worden. Dieses Privileg sollte allen noch einmal verdeutlicht werden.“
Am Tag zuvor, bei der großen Videokonferenz von Staatssekretärin Beate Stoffers mit 700 Schulleitungen, hatte Charité-Professor Frank Mockenhaupt noch behauptet: „Alle drei Impfstoffe sind super. Das einzige Problem von Astrazeneca ist die schlechte Presse.“ Gestern dann stoppte ausgerechnet Mockenhaupts Charité als erste Klinik die Astrazeneca-Impfung ihrer eigenen Belegschaft – wegen weiterer Fälle gefährlicher Hirnvenenthrombosen, die mit Astrazeneca in Verbindung gebracht werden. Betroffen davon waren bisher ausschließlich Frauen unter 60. Der Frauenanteil an den Berliner Lehrkräften liegt bei 70%.
Vollends kurios wird die Sache vor dem Hintergrund einer anderen Mail, die von der Bildungsverwaltung am Dienstag vergangener Woche, also am 23.3., an die Schulleitungen aller öffentlichen weiterführenden und beruflichen Schulen sowie die Referatsleitungen der Schulaufsicht ging (liegt dem Checkpoint ebenfalls vor) – darin schreibt der Referatsleiter Personalmanagement: „Aktuell besteht eine Wahlfreiheit hinsichtlich des Impfstoffes.“ Ein eklatanter Widerspruch zur oben zitierten Astrazeneca-Aufforderung drei Tage später, in der es explizit, ultimativ und unmissverständlich heißt: „Es besteht (…) keine Wahlfreiheit“.