Belarussische Aktivisten ziehen Hoffnung aus Berlins Geschichte
Im Kampf für Demokratie in Belarus und der Geschichte der Mauer sehen Aktivisten Parallelen. Und wollen gerade deshalb nicht aufgeben. Von Robert Ide.
28 Jahre lang blutete die Wunde aus Beton in Berlin, brachte die Mauer durch Deutschland Tod und Leid. Heute vor 60 Jahren wurde sie zunächst heimlich erbaut durch die DDR-Staatspartei SED. Der junge Journalist Adam Kellett-Long arbeitete damals als einziger Auslands-Korrespondent in Ost-Berlin, als er nachts einen mysteriösen Anruf bekam: „Gehen Sie nicht ins Bett“ (seine Erinnerungen hier). Inzwischen ist die Mauer länger gefallen, als sie stand. Verheilt ist die Wunde nicht. Denn die Schmerzen von gestern erzählen uns viel über die Grenzen des Heute (mein Leitartikel hier). Berlin, Schauplatz der einst geteilten Träume und Bürgersteige, ist der richtige Ort, um unser Leben von Morgen zu verhandeln.
„Freiheit für Belarus“ steht auf einem Mauerstück am einst zerrissenen Potsdamer Platz. „Die Berliner Geschichte gibt uns Hoffnung“, erzählt Ann Shkor am Checkpoint-Telefon. Die Architektin aus Minsk lebt in Berlin, ihre Mutter sitzt in ihrer belarussischen Heimat fest, sie können sich nur in der Türkei treffen. „Unsere Situation ist ähnlich wie damals in Berlin: Viele Familien sind getrennt zwischen den Geflohenen und den Menschen zuhause“, erzählt Shkor. „Aber wir geben nicht auf. Wir sind nicht allein.“ In Berlin auf keinen Fall.