Amtlich beglaubigtes Sterben geht in Berlin nur mit Wartezeit

Es klingt makaber, aber für die Betroffenen wirkt es wie eine Qual: Amtlich beglaubigtes Sterben ist in Berlin eine fast unendliche Geschichte. Beispiel Steglitz-Zehlendorf: Eine CP-Leserin wartet jetzt seit vier Wochen auf die Sterbeurkunde ihres Mannes, und das ist kein Einzelfall. Solange kann kein Abo, kein Telefonvertrag, keine Versicherung, kein Konto gekündigt und kein Testament eröffnet werden. Es gibt nicht einmal Sonderurlaub für das Begräbnis, da es ja offiziell keinen Toten gibt. Tot ohne offizielle Bestätigung sind auch im Bezirksamt die Leitungen (Anruf zwecklos), und Mails werden offenbar einmal im Monat vom Postboten ausgetragen – es ist jedenfalls leichter, Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen, als einen Verantwortlichen zu erreichen. Falls jemand eine funktionierende Verbindung zu Stadtrat Michael Karnetzki hat: Bitte wecken.
Bis es soweit ist, schauen wir uns mal gemeinsam die Selbstdarstellung Karnetzkis auf der Website des Bezirks an – wir lesen: „Liebe Bürgerinnen und Bürger in Steglitz-Zehlendorf, mit dem Wort ‚Bürgerdienst‘ ist der Anspruch an die Arbeit des Bezirksamts eigentlich bereits umfassend beschrieben. Die Verwaltung ist nicht für sich selbst da, sondern für die Menschen in Steglitz-Zehlendorf. Ich möchte, dass alle gut und schnell die Leistungen erhalten, die ihnen zustehen.“ Bitte schön, Herr Karnetzki, die lieben Bürgerinnen und Bürger nehmen Sie gerne beim Wort - walten Sie Ihres Standesamtes.