War der Gesichtserkennungstest am Bahnhof Südkreuz nun ein Erfolg, wie die Bundespolizei behauptet – oder wurden die Ergebnisse „geschönt“ und „manipuliert“, wie der „Chaos Computer Club“ meint? Hier jedenfalls noch ein Hinweis der Hackerfreunde für diejenigen, die nicht erfasst werden wollen: Einfach das Gesicht um mehr als 15 Grad von der Kamera wegdrehen. Dazu auch der CP-Investitions-Tipp: Jetzt Kompass-Aktien kaufen!
Ärger gibt’s auch um das Video-Volksbegehren – der Plot: Innensenator Geisel verweigert die offizielle Weiterleitung ans Parlament, er hält das Vorhaben für „rechtlich unzulässig und politisch verfehlt“. Die Initiatoren halten dagegen: Ex-Justizsenator Heilmann nennt die Ablehnung rechtswidrig, die Begründung „schlichtweg falsch“, und Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky schimpft: „Das grenzt an ein fast flegelhaftes Verhalten.“ Gemurmel aus dem Off: „Also ‚politisch verfehlt‘ ist ja nun wirklich ein völlig verfehltes Argument – wozu sind denn Volksbegehren da? Doch nicht, um der Regierung zu gefallen!“ Und Cut. Nächste Szene: Vor dem Verfassungsgericht – die Richter betrachten den Videobeweis. Bleiben Sie dran, das wird noch ein Polit-Thriller.
Nach der Führung fehlt der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen bald auch der Förderverein: Weil führende Mitglieder Sympathien für NS-Verharmloser zeigen (z.B. in der AfD), war die Zusammenarbeit mit der Stiftung bereits ausgesetzt, jetzt traten einige der Gründer aus (u.a. Wolfgang Wieland, Stefan Hilsberg, Gerald Praschl) – und die Gemeinnützigkeit ist praktisch perdu. Merke: Die Ablehnung des Totalitarismus ist unteilbar – oder total unglaubwürdig.
Apropos „unteilbar“: Jetzt hat auch Volker Beck ernste Fragen – bei der Demonstration am Sonnabend hatten BDS-Aktivisten die Vernichtung Israels gefordert. Die Veranstalter erklären dazu: „Der Redebeiträge wurden nicht auf einer offiziellen Bühne gehalten – wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit“. Auf die Anschlussfrage von Beck, ob Israelfeinde von künftigen Veranstaltungen ausgeschlossen werden, kam keine Antwort mehr.
ARD-Kollege Arnd Henze wiederum wies in einer Mail an den Checkpoint darauf hin, dass nicht nur Türkei- und Palästinafahnen mitgeführt wurden, sondern auch Israel-Fahnen (hier eine im Bild vor dem Holocaustmahnmal) und mehrere Deutschland- sowie Europafahnen - seine Schlussfolgerung: Das Tolerieren wurde unideologisch gehandhabt. Eine Meinung, die leider nur bei großzügiger Auslegung teilbar ist (dazu hier auch das Interview mit Organisatorin Theresa Hartmann: „Die Deutschlandflagge wollten wir nicht.“).
Es klingt makaber, aber für die Betroffenen wirkt es wie eine Qual: Amtlich beglaubigtes Sterben ist in Berlin eine fast unendliche Geschichte. Beispiel Steglitz-Zehlendorf: Eine CP-Leserin wartet jetzt seit vier Wochen auf die Sterbeurkunde ihres Mannes, und das ist kein Einzelfall. Solange kann kein Abo, kein Telefonvertrag, keine Versicherung, kein Konto gekündigt und kein Testament eröffnet werden. Es gibt nicht einmal Sonderurlaub für das Begräbnis, da es ja offiziell keinen Toten gibt. Tot ohne offizielle Bestätigung sind auch im Bezirksamt die Leitungen (Anruf zwecklos), und Mails werden offenbar einmal im Monat vom Postboten ausgetragen – es ist jedenfalls leichter, Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen, als einen Verantwortlichen zu erreichen. Falls jemand eine funktionierende Verbindung zu Stadtrat Michael Karnetzki hat: Bitte wecken.
Bis es soweit ist, schauen wir uns mal gemeinsam die Selbstdarstellung Karnetzkis auf der Website des Bezirks an – wir lesen: „Liebe Bürgerinnen und Bürger in Steglitz-Zehlendorf, mit dem Wort ‚Bürgerdienst‘ ist der Anspruch an die Arbeit des Bezirksamts eigentlich bereits umfassend beschrieben. Die Verwaltung ist nicht für sich selbst da, sondern für die Menschen in Steglitz-Zehlendorf. Ich möchte, dass alle gut und schnell die Leistungen erhalten, die ihnen zustehen.“ Bitte schön, Herr Karnetzki, die lieben Bürgerinnen und Bürger nehmen Sie gerne beim Wort - walten Sie Ihres Standesamtes.
Die AfD will ihre Abgeordnete Jessica Bießmann ausschließen – sie verwechselt den Gröfaz mit dem Gröwaz („Größter Winzer aller Zeiten“, CP v. 15.10.). Die begeisterte Pegida-Marschiererin und Antisemitismus-Expertin („Soros raus aus Deutschland!“) hatte vor Weinflaschen mit Führer-Etikett „schöne Fotos“ von sich machen lassen. Im Zuge der aus Angst vorm Verfassungsschutz von der AfD-Führung verordneten Schein-Entnazifizierung der Partei soll sie nach Walhalla ausreisen dürfen – allerdings muss die Entscheidung wie ein guter Hitler-Tropfen erst noch reifen: Wiedervorlage nach den Herbstferien.
Ein Kaffeekassenguthaben von einer Millionen Euro wollte sich ein Polizeibeamter mit Hilfe eines Keyloggers heimlich im Computer seines Vorgesetzten gutschreiben. Behauptet jedenfalls IT-Staatssekretärin Sabine Smentek. Können Sie glauben (haha) oder auch nicht (ist ja vielleicht doch ein vertuschter Spionagefall…). In jedem Fall aber werden Sie jetzt viel Spaß haben mit der heutigen Folge unserer „Berliner Schnuppen“ von Naomi Fearn:
Berliner Schnuppen
Telegramm
So, mal nachschauen, ob die Bundesregierung noch beisammen ist… Aha: Heimatminister Horst Seehofer ist weiter im Amt – aber Justizministerin Katarina Barley soll SPD-Spitzenkandidatin bei der Europawahl werden (26.5.19). Mögliche Nachfolgerin: Eva Högl aus Berlin. Wenn es die Regierung dann noch gibt. Und die SPD. (Dazu auch der Radioeins-Kommentar „Ist die SPD noch zu retten?“)
Im überflüssigsten Wettbewerb der Fußballgeschichte („Nations League“) hat die deutsche Mannschaft ihr Spiel in Paris gegen Weltmeister Frankreich 1:2 verloren – aber die Frisur des Bundestrainers saß einwandfrei.
Zahl der Strafverfahren, die innerhalb eines Jahres wegen illegaler Autorennen eingeleitet wurden: 347. Und da wird gerade beim Autofahren sind …
… hier gleich noch ein Unfall Marke Berlin: 1) Autofahrer fährt Radfahrer (15) um. 2) Autofahrer steigt aus und erkundigt sich nach dem werten Befinden. 3) Radfahrer klagt über Knochenbrüche. 4) Autofahrer steigt wieder ein und fährt weiter. – Sollte es wie üblich zu Punkt 5) kommen (Autofahrer ermittelt, Autofahrer betrunken, Autofahrer ohne Führerschein, Auto ohne Zulassung, Auto nicht versichert) melden wir uns in dieser Angelegenheit wieder.
Die BVG lässt Obdachlose in diesem Winter zwar nicht mehr in ihren Bahnhöfen übernachten, will jetzt aber doch drei Räume in ihren Anlagen zur Verfügung stellen (Einigung zwischen Verkehrsbetriebe-Chefin Nikutta und Sozialsenatorin Breitenbach). Dem Fahrgastverband IGEB passt das nicht: „Die BVG hat einen Transportauftrag und nicht die Aufgabe, Wohnungslosen Schlafplätze anzubieten.“ Mag sein. Aber ein Herz zur Schnauze steht dem Unternehmen ungemein gut (und stünde auch anderen gut an).
Die CDU will den Teufelsberg rund um die ehemalige US-Abhörstation in ein Sportparadies verwandeln (per Antrag im Agh): Laufen, Skaten, Rodeln, Klettern, Drachenfliegen, Tennisspielen, Mountainbiking und sogar Schwimmen stehen auf dem Plan. Nur Fingerhakeln fehlt noch (mehr zu Bayern im Encore).
Post von Florian Mausbach: Der Präsident des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung a.D. schlägt vor, den Washington-Platz nach Helmut Kohl zu benennen – ok, aber warum nicht gleich den ganzen Bahnhof? So geht Berlin: Am Flughafen Willy Brandt landen (irgendwann), in die Station Helmut Kohl einfahren (sofort, unverzüglich), auf Michael Müller abfahren … hm – oder sollen wir es lassen?
Schöne Idee: Auf kiezhelden.de wächst ein Verzeichnis kleiner Läden, die das Leben in der Nachbarschaft so besonders machen. Sie können die interaktive Karte auch selbst mit Vorschlägen bereichern – mal sehen, was noch draus wird.
„Der Zeitplan für die Zeitumstellung gerät ins Wanken“ ist auch eine schöne Meldung - aber: Berlin ist ausnahmsweise unschuldig!
Super Start unsere Schwarmrecherche „Wem gehört Berlin“ (gemeinsam mit „Correctiv“) – wenn Sie auch mitmachen wollen: Hier steht, wie es geht. Und im Tagesspiegel beantwortet Ralf Schönball dazu die Frage: „Woher das Geld kommt und wie es zu Beton wird“.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Warum muss ich jetzt schon gehen? Wegen einem dummen Mittagessen? Wollen die mir zeigen, wie sie die Pommes machen?“
Michael Müller war in Brisbane nicht ganz zufrieden mit dem eng getakteten Terminplan bei seinem Australienbesuch. Meine Kollegin Ingrid Müller hat den Bundesratspräsidenten bei seiner letzten Auslandsreise in diesem Amt begleitet – ihren Abschlussbericht finden Sie hier.
Tweet des Tages
„Wenn die BVG jetzt Knöllchen verteilen darf, will ich aber endlich auch ein Gesetz, dass es Radlern mit Licht erlaubt, Radler ohne Licht im Vorbeifahren zu ohrfeigen!“
Stadtleben
Essen Das Satyam in der Goethestraße 5, nahe U-Bhf Ernst-Reuter-Platz, darf durchaus eine besondere Stellung unter den indischen Restaurants der Stadt für sich verbuchen. Die nach eigener Angabe erste ayurvedische KücheBerlins liefert bereits seit 1989 „satvic food“ – rein vegetarisch bis vegan – und verfügt über einen eigenen Tempel im Hof, wer kann da schon mithalten? Es gibt außerdem nur wenige Küchen in Berlin, die ein authentisches Masala Dosa (7,60 Euro) anbieten können. Das obligatorische Palak Paneer kostet schlanke 5,80 Euro und ein fruchtiges Shahi Paneer 7,90 Euro. Von 11.30 bis 17 Uhr gibt es Mo-Fr den nicht nur bei Angestellten zurecht beliebten Express-Mittagstisch mit extrem kurzen Wartezeiten. Sonntags von 11 bis 20 Uhr gibt es einen in der Auswahl üppigen Sonntagsbrunch.
Trinken Wir wissen ja auch nicht. Man geht halt selten einfach so aus dem Haus, ohne Ziel und völlig planlos. Manchmal ergeben sich die Dinge, manchmal scheint alles ineinanderzugreifen. Hier stellt einer einen Stuhl ab, da jemand einen Tisch oder eine Bierkiste. Jemand einen Tresen. Falls der Name Programm ist, könnte das in etwa so gelaufen sein: Im Planlos in der Amsterdamer Straße 15 in Wedding könnten zufällig einige bequeme Sessel in den mit Pistazienfarben und dunklem Holz Gemütlichkeit verströmenden Raum gefallen sein. Und ein Dichter könnte sich verschrieben und so versehentlich das Menü an die schwarzen Tafeln gepinselt haben, das besagt: Weinkaraffe 0,5 Liter ab 8,50 Euro, Fassbier um 2,50/ 3 Euro. Täglich wechseln die Angebote, so kann es schon mal vorkommen, dass man Bier für 1,50/ 2,30 Euro (0,33/ 0,5) bekommt oder einen Gin Tonic für 5 Euro. Täglich von 15 bis 2 Uhr, U-Bhf Seestraße
Geschenk Wir hatten bereits angekündigt, dass der Rias Kammerchor sein 70-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert feiert. Ganz in diesem historischen Sinne unternimmt er auf der Bühne gewissermaßen eine Zeitreisemit Jahrhundertsprüngen von Bach über Schönberg zu Roderick Williams, der eigens für diesen Anlass eine Auftragskomposition geschrieben hat. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, Musik von genau den Interpreten vorgetragen zu bekommen, denen sie auf den Leib komponiert wurde? Um 20 Uhr in der Philharmonie, Karten ab 20 Euro gibt es noch über den Webshop oder über unsere Verlosung – schreiben Sie einfach bis 12 Uhr an checkpoint@tagesspiegel.de