Ein altgedienter S-Bahner erklärt, warum er sich am GDL-Streik beteiligt

Die Lokführer bei der Deutschen Bahn streiken – und damit auch bei der Berliner S-Bahn. Was treibt sie an, alle Räder still stehen zu lassen? Von Stefan Jacobs.

Ein altgedienter S-Bahner erklärt, warum er sich am GDL-Streik beteiligt
Foto: Sven Hoppe/dpa

TV-Auftritte von GDL-Chef Claus Weselsky befördern die Laune der meisten Bahnkunden auf das Niveau, auf dem sie im Unterdeck eines Doppelstockwagens in Hauptbahnhof-Tief ankommen. Eine Umfrage im Lok fahrenden Volk in meinem Bekanntenkreis ergab 3x die Rückmeldung, dass es sich bei dem fünftägigen Streik (der ab morgen auch wieder die Berliner S-Bahn massiv treffen wird: kein Ring, keine S47, keine S75, keine S9 bzw. S3 zwischen Charlottenburg und Spandau) um einen Egotrip des Gewerkschaftschefs handele. Ein S-Bahner aus meiner Nachbarschaft hat aber bereitwillig erklärt, warum er sich an dem Streik beteiligt, der Millionen Menschen nervt und schadet, den Ruf der Bahn weiter beschädigt und seidene Lieferketten reißen lässt. Hier die Kurzversion:

„In meinen mehr als 25 Jahren als S-Bahn-Fahrer haben sich die Bedingungen mit jeder Schichtplanänderung verschlechtert. Nicht finanziell, aber was Schichtlagen, -längen und Ruhezeiten betrifft. Früher hatten wir nach vier Schichten zwei Tage frei. Jetzt ist es oft nur ein freier Tag – und der teilweise erst nach fünf Schichten. Das reicht nicht, um sich zu regenerieren. Frühdienste beginnen ab 3.30 Uhr, Spätdienste dauern bis 1 Uhr, außerdem haben wir Nachtschichten, in denen wir Züge vorbereiten müssen. Solche Arbeitszeiten kann man nicht schönreden, sondern nur über Geld ausgleichen. Am Wochenende sind oft Dienste vakant, für die wir mit einer Prämie von 40 Euro netto gelockt werden sollen. Würde der Zug ausfallen, müsste die Bahn eine vierstellige Strafe zahlen. Wir mögen Weselsky nicht, aber um seinen Egotrip geht es nur am Rande. Im Kern geht es darum, wer für die Bahn unter welchen Bedingungen das Geld einfährt.“