Machtkampf in der SPD
Bei der SPD brodelt es außerdem wegen des überraschenden Rückzugs von Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel – ein knappes Drittel der Delegierten stimmte gegen seine abermalige Bezirkskandidatur und düpierten ihn damit zugleich als Parteichef. Eine Intrige? Rache? Ein aus dem Ruder gelaufener Machtkampf von Links? Die Geschichte jedenfalls, die mehrere SPD-Funktionäre dem Checkpoint erzählen, führt von Neukölln ins Bundestagsbüro des Abgeordneten Hakan Demir – und weiter nach Spandau, ins Reich von Raed Saleh, der Hikel 2024 den Chefposten überlassen musste.
Gemeinsam mit den Parteilinken, allen voran Demir, hatte Saleh schon vor einem Jahr den Deal eingefädelt, der Michael Müller die erneute Kandidatur für den Bundestag kostete. Und jetzt Hikel? „Das war orchestriert“, sagt ein Mandatsträger – in Neukölln geschehe nichts, ohne dass Saleh Bescheid weiß. Und ein anderer Funktionär bemüht gar die griechische Mythologie: „Raed Saleh ist die Nemesis der SPD Berlin.“
Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balci vermutet noch einen anderen Anlass für den Eklat: „Martin Hikel ist einer der mutigsten Menschen, die ich kenne. Gemeinsam mit säkularen Muslimen kämpft er seit Jahren gegen Islamismus.“ Damit habe sich Hikel viele Feinde gemacht – auch in Teilen der SPD. Über Saleh sagt sie dagegen: „Von ihm hört man kein kritisches Wort zur Muslimbruderschaft oder zur Clankriminalität.“