Frauen aus Stasi-Gedenkstätte schreiben neuen Brief
Via Twitter hat Hubertus Knabe, der ehemalige Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, sein langanhaltendes Schweigen gebrochen, zu den Belästigungs-Vorwürfen allerdings weiterhin kein Wort gesagt. Mit einem Brief, der dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt, wenden sich die sechs Frauen, die Sexismus in der Führungsspitze der Gedenkstätte beklagt hatten, nun erneut an die Mitglieder des Stiftungsrates.
„Wir sind schockiert, dass es Journalist_innen, Politiker_innen und Beiratsmitglieder gibt, die das unangemessene und belästigende Verhalten von Vorgesetzten in der Gedenkstätte (weiterhin) ausblenden, ja sogar die Person Knabe mit der Institution gleichsetzen und uns eine Beschädigung der Diktaturaufarbeitung vorwerfen. Diese Umkehr der Aggressionsrichtung und das Umlenken der Aufmerksamkeit schützt nicht die Betroffenen, sondern die Verantwortlichen und befördert eine Kultur des Wegschauens, des Deckens und der Verharmlosung dieser Vorgänge und des stillschweigenden Akzeptierens. (…) Dieses nach wie vor fehlende Problembewusstsein der Verantwortlichen zeigt sich auch darin, dass bis heute kein Wort des Bedauerns oder gar der Entschuldigung – weder informell noch öffentlich – geäußert wurde.“
„Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der wir nicht davor zurückschrecken müssen, unsere Namen zu veröffentlichen, weil wir Anfeindungen, Aggressionen und politisch motivierte Unterstellungen befürchten müssen. Wir wünschen uns einen respektvollen Umgang mit Diskriminierungserfahrungen und eine größere Sensibilität für alltäglichen Sexismus, Belästigungen und Machtstrukturen, die gegenüber Untergebenen und in Abhängigkeit Befindlichen ausgenutzt werden können.“ Und genau deshalb braucht es Feminismus. Weil auch im Jahr 2018 noch nicht selbstverständlich ist, was es längst sein sollte.