„Die Landwirtschaft ist der größte Hebel, um die Probleme unserer Zeit zu lösen“

Benedikt Bösel hat seine Finanzkarriere für die Agrarwirtschaft aufgegeben. Der Brandenburger „Landwirt des Jahres“ erklärt die beste Strategie für Öko-Ackerbau. Von Robert Ide

„Die Landwirtschaft ist der größte Hebel, um die Probleme unserer Zeit zu lösen“
Foto: Timo Jaworr/Promo

Wir fahren raus aufs Land. Denn für die eigene Gesundheit und das Wohlergehen unserer Umwelt gibt es kaum Besseres, als im Dreck von Mutter und Vater Erde zu wühlen. Ganz gekonnt macht das der Brandenburger Bauer Benedikt Bösel, der zu Deutschlands „Landwirt des Jahres“ gewählt worden ist und in Berlin ausgezeichnet wurde. Der ausgebildete Investmentbanker übernahm den elterlichen Naturhof in Alt Madlitz und gestaltet ihn nun noch naturgerechter um. Im Checkpoint-Interview verrät der 37-Jährige, wie man die dicksten Kartoffeln erntet – und vor allem die nachhaltigsten.

Herr Bösel, wie hat Ihr Hof den trockenen Sommer überstanden?

Natürlich ist es beängstigend: Wir sind mitten im Klimawandel angekommen. Das ist wirtschaftlich eine unglaubliche Bedrohung für unseren Hof. Aber selbst existenziellen Sorgen möchte ich nicht allzu viel Raum geben. Die Lage motiviert uns und macht uns stärker auf unserem Weg: Nur gesunde Böden und gesunde Ökosysteme werden uns retten.

Sie setzen im märkischen Sand auf die Artenvielfalt aus aller Welt. Welche Tiere und Pflanzen sind neu in Brandenburg?

Neue Arten sind gar nicht der Schlüssel, sondern ihre Vielfalt. Natur funktioniert nur mit Diversität, sie macht jede Gesellschaft stärker. Natürliche Strukturen leben miteinander vernetzt, erst die Symbiose ganz verschiedener Arten macht einzelne Lebewesen resilienter – und damit alle. Deshalb bauen wir keine Monokulturen an, sondern nutzen unsere Felder das ganze Jahr über, zum Beispiel auch als Weide für die Tiere. Und wir pflanzen Streifen aus Bäumen auf unsere Äcker.

Wie muss Landwirtschaft 2030 aussehen, wenn sie nachhaltig sein soll?

Im besten Fall liefert ein Feld in Zukunft nicht nur ein Produkt, sondern ganz viele Produkte: Nach dem Getreide im Sommer kann man hier Obst und Nüsse ernten. Die gepflanzten Bäume bringen auch den Wasserkreislauf wieder in Schwung, weidende Tiere veredeln durch ihren Dünger den Boden. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss aktiv Naturschutz betreiben und zum Klimaschutz beitragen. So werden die ländlichen Räume gestärkt und die Höfe wieder für junge Menschen attraktiv.

Sie waren in der Finanzwirtschaft tätig. Warum sind Sie doch lieber Landwirt geworden?

Meine Eltern sind nach der Wende zurückgekehrt auf den alten familiären Bauernhof, natürlich hat mich das geprägt. Aber mein eigentlicher Grund für den Einstieg war: Die Landwirtschaft ist der größte Hebel, um die Probleme unserer Zeit zu lösen. Hier entscheidet sich der Naturschutz, die Artenvielfalt, auch die Bildung. Wenn jüngere Leute sich gegen den Klimawandel stemmen wollen, sollten sie das am besten in der Landwirtschaft tun. Ich kenne viele, die das jetzt versuchen wollen.

Zum Abschluss noch eine Frage aus der Großstadt: Welcher Bauer erntet die dicksten Kartoffeln?

Der mit dem besten Kompost.