„Reihenhouse of Cards“ geht weiter: Richard Gamp (CDU) ist wieder da
Von der Jungen Union wurde er vor einigen Jahren als „zutiefst unseriös“ kritisiert – jetzt will der CDU-Nachwuchs Richard Gamp Kandidat fürs Abgeordnetenhaus werden. Von Lorenz Maroldt und Sönke Matschurek.
Aus gegebenem Anlass noch ein weiterer kurzer Blick zurück – vor fast fünf Jahren, genauer am 1.2.2021, stand hier im Checkpoint:
„Die Reinickendorfer CDU ist in Berlin die Idealbesetzung für eine politfolkloristische Intrigantenstadl-Serie mit dem Titel ‚Reihenhouse of Cards‘ – hier die neueste Folge…“
Es ging um Richard Gamp, damals gerade 18, der als Vorsitzender der Reinickendorfer „Schüler Union“ und kurzzeitiger Landeschülersprecher u. a. von Monika Grütters, Kai Wegner und Stefan Evers öffentlich belobigt wurde. Aber in einem 13-seitigen Gutachten der Jungen Union waren ihm schwerwiegende Satzungs- und Rechtsverstöße vorgeworfen worden, um Mehrheiten zu gewinnen – z. B. durch das Fälschen von Geburtsdaten auf Mitgliedsanträgen (u. a. seiner Schwester). Das moralische Urteil der JU: „zutiefst unseriös“.
Dem Checkpoint sagte Gamp damals: „Ich habe persönlich nie einen gefälschten Antrag gesehen.“ Als damaliger Vorsitzender trage er aber für die Vorgänge politisch die Verantwortung. Seinen Gegnern warf er „Rufmord“ vor: „Leute in Parteien haben immer Angst um ihre Posten, wenn andere schnell steigen.“ Gamp kandidierte zu der Zeit auf Platz 24 für die BVV-Liste der Reinickendorfer CDU.
Damals hatten wir Ihnen empfohlen: „Merken Sie sich den Namen Richard Gamp. Nach aller Parteilogik werden wir noch viel von ihm hören (auch außerhalb von Reinickendorf).“
Jetzt ist der Name Richard Gamp tatsächlich wieder aufgetaucht, auch außerhalb Reinickendorfs – und zwar als Kandidat fürs Abgeordnetenhaus. Er soll im Wahlkreis 6 den früheren CDU-Kreisvorsitzenden, Bezirksbürgermeister und Abgeordneten Frank Balzer beerben.
Auf seiner LinkedIn-Seite nennt Gamp sich „Berlins jüngster Kommunalabgeordneter“ (obwohl BVV-Mitglieder rechtlich keine Abgeordneten sind), daneben prangen die offiziellen Logos der HU (wo er Jura studiert) und des Berliner Abgeordnetenhauses (wo er in Teilzeit für MdA Niklas Graßelt arbeitet). Checkpoint-Tipp: Merken Sie sich den Namen Richard Gamp – jetzt erst recht.
Welche bekannten Politiker in der aktuellen Folge von „Reihenhouse of Cards“ in Reinickendorf von Parteifreunden politisch gemeuchelt wurden und wer dort zur jungen Garde gehört, die an die Macht strebt, können Sie hier im Bericht von Valentin Petri lesen („Parteiumbruch mit der Brechstange“, T-Plus). Und wer außer Gamp sonst noch den Posten des Schülersprechers als Sprungbrett in die Politik nutzt, verrät Ihnen Susanne-Vieth-Entus hier (T-Plus).