CDU-Nachwuchshoffnung in der CDU unter Druck

Gerne umgeben sich CDU-Landespolitiker mit dem Bezirkschef des Nachwuchses, nun könnte er sein Amt verlieren. Was hinter dem Aufruhr steckt. Von Lorenz Maroldt.

CDU-Nachwuchshoffnung in der CDU unter Druck
Foto: imago/IPON

Die Reinickendorfer CDU ist in Berlin die Idealbesetzung für eine politfolkloristische Intrigantenstadl-Serie mit dem Titel „Reihenhouse of Cards“ (Checkpoint von 2014 bis 2021) – hier die neueste Folge…

Richard Gamp ist zwar gerade erst dieser Tage 18 Jahre alt geworden, aber der Reinickendorfer Jungpolitiker genießt schon länger die volle Unterstützung der Berliner Parteispitze: Im November posierte Kulturstaatsministerin Monika Grütters als Bundestagskandidatin strahlend neben Gamp auf der Bühne, im Dezember dankte CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat Kai Wegner dem Nachwuchspolitiker öffentlichkeitswirksam per Twitter für seine Arbeit, und im Januar präsentierte Generalsekretär Stefan Evers den Kurzzeit-Landesschülersprecher in seinem Clubhouse-Talk als Bildungsexperten.

Die Begeisterung für Gamp wird allerdings nicht von allen in der CDU geteilt – es kursieren allerlei Vorwürfe. So forderte die „Schüler Union“ von der CDU-Organisation „Junge Union“, Ordnungsmaßnahmen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Reinickendorfer SU-Vorsitzenden einzuleiten – der Vorwurf: regelmäßige und teils schwerwiegende Satzungs- und Rechtsverstöße. Der interne Untersuchungsbericht der JU (insg. 13 Seiten, liegt dem CP vor) bestätigt die Vorwürfe im Wesentlichen. U.a. wurden bei der Mitgliederwerbung in etlichen Fällen nachträglich die Geburtsdaten gefälscht, um bereits 11-Jährige aufnehmen zu können (Mindestalter ist 12) – nach CP-Informationen reichte Gamp auch den Antrag seiner damals 11-jährigen Schwester ein.

Die Junge Union spricht in ihrem Bericht von vorsätzlichem Handeln und einer verbandsschädigenden Einstellung: „Dies erweckt einen zutiefst unseriösen Eindruck.“

Gamp, der auf Platz 24 der CDU-Bezirksliste im Herbst für einen BVV-Sitz kandidiert, sagte dem Checkpoint: „Ich habe persönlich nie einen gefälschten Antrag gesehen.“ Als damaliger Vorsitzender trage er aber für die Vorgänge politisch die Verantwortung, einiges sei heute klarer geregelt. Seinen Gegnern wirft er „Rufmord“ vor, er hat einen Rechtsanwalt beauftragt: „Leute in Parteien haben immer Angst um ihre Posten, wenn andere schnell steigen.“ Der Fall selbst sei längst erledigt.

Kai Wegner ließ dem Checkpoint über seinen Landesgeschäftsführer Dirk Reitze ausrichten: „Ich darf Ihnen mitteilen, dass uns diese Debatte bekannt ist. Wir schätzen die Eigenständigkeit der Jungen Union, zu der auch die Schüler Union gehört. Deshalb bitten wir Sie um Verständnis, dass wir der dortigen Sach- und Rechtsaufklärung nicht vorweggreifen können und wollen.“

Der JU-Landesvorsitzende Christopher Lawniczak (der im Profil als seine größte Schwäche „kurz und knapp antworten“ angibt), antwortete kurz und knapp: „Richard Gamp ist im Sommer 2019 von seinen Ämtern in der Schüler Union und in der Jungen Union zurückgetreten.“

Checkpoint-Tipp: Merken Sie sich den Namen Richard Gamp. Nach aller Parteilogik werden wir noch viel von ihm hören (auch außerhalb von Reinickendorf).