Seit Russlands Angriff: Interesse an Bundeswehrreserve steigt in Berlin

Beim Interesse an der Reserve für die Bundeswehr ist ein Aufwärtstrend zu beobachten. Derzeit sind 26 Ungediente in der Ausbildung. Für das Jahr 2025 gibt es 50 Interessierte.
Von Margarethe Gallersdörfer und Lotte Buschenhagen
 

Seit Russlands Angriff: Interesse an Bundeswehrreserve steigt in Berlin
Uniform der Bundeswehr Foto: IMAGO/Political-Moments

Würde ich Deutschland an der Waffe verteidigen? Die Frage stellt sich für viele akut, spätestens seit Russland die Ukraine überfallen hat – übrigens auch für Frauen, wie wir Ihnen aus eigener Anschauung berichten können! Aus Neugier haben wir mal bei der Bundeswehr angefragt, wie viele Deutsche seit März 2022 ihre Kriegsdienstverweigerung zurückgezogen haben. Antwort kam vom „Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ – offenbar keine Tarneinrichtung des Verfassungsschutzes! (Die Wette hätten wir verloren.)

Die Zahlen zeigen zwar deutliche Anstiege im Vergleich zu 2021 (304 Verzichterklärungen): 2022 erklärten 487 Männer den Verzicht auf ihre Kriegsdienstverweigerung, 2023 waren es 536, und bis 30. Juni 2024 schon 360. Allerdings waren auch 2019 (537) und 2020 (438) die Zahlen schon mal höher als im Jahr vor Russlands Angriff.

Deutlicher zeigt sich der Trend beim Interesse an der Reserve, wie ein Sprecher des Territorialen Führungskommandos für Berlin berichten kann: „Aktuell sind in Berlin 26 Ungediente in der Ausbildung, für die geplante Ausbildung 2025 liegen derzeit 50 Interessenbekundungen vor. Auch das Interesse von Reservistinnen und Reservisten, die bereits eine Vordienstzeit in der Bundeswehr haben, ist erkennbar höher als vor Beginn des russischen Angriffskrieges.“

Wir erfuhren außerdem, dass man bis zum 65. Lebensjahr Reservist:in werden kann – auch Männer, die schonmal ausgemustert wurden, sofern sie eine wehrmedizinische Untersuchung bestehen. Man meldet sich beim Karrierecenter (in Berlin: karrcbwberlinreservisten@bundeswehr.org), wird medizinisch und rechtlich überprüft, und absolviert eine 20-tägige Grundausbildung. Taugt auch zur Umorientierung: „Nach dem Abschluss der Ausbildung erfolgt die Beorderung bei den Heimatschutzkräften, wo die weiterführende Ausbildung stattfindet. Auch ein Wechsel in eine höhere Laufbahn ist dann grundsätzlich möglich“, berichtet der Sprecher.
Soll uns keiner vorwerfen, dass wir nichts tun fürs Vaterland! Wie sieht es bei Ihnen aus?