Wegen großer IT-Panne: Kindertagespflegestellen erhielten monatelang zu wenig Geld

Ein Software-Update führte zu Chaos in Berliner Jugendämtern und Kitas. Viele Kindertagespflegestellen wurden monatelang nicht bezahlt, bei manchen fehlt das Geld noch immer. Von Margarethe Gallersdörfer und Stefan Jacobs.

Wegen großer IT-Panne: Kindertagespflegestellen erhielten monatelang zu wenig Geld
Credit: dpa / Monika Skolimowska

Leider helfen wir, Sie ahnen es, nun wieder herunter vom hohen Ross der Berlin-Euphorie. Von dem Chaos, das das Update der „Integrierten Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ-KiTa)“ bei Jugendämtern und Kitas verursacht hat, haben wir im Checkpoint ja schon mehrfach berichtet. Mit am härtesten traf es Berlins Kindertagespflegepersonen (früher „Tagesmutter“ genannt) – 259 angemeldete Stellen haben vom Land von Juli bis September keine Zuschläge für „mittelbare pädagogische Arbeit“ (kurz erklärt: Verwaltungskram) erhalten, wie eine noch unveröffentlichte Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz ans Tageslicht beförderte.

Nach der „Migration von Altdaten sowie geänderten Prozessen“ hätten „Kindertagespflegepersonen wegen fehlerhafter Rückrechnungen im Bereich der Zuschlagsgewährung“ eine „Auszahlsumme i. H. v. 0,00 Euro“ erhalten, erklärte die Jugendverwaltung. Franziska Böttcher, eine Erzieherin, die in Friedrichshain gemeinsam mit einer Kollegin eine Tagespflegestelle betreibt, berichtete dem Checkpoint: Da fehlen über drei Monate einfach mal 5000 Euro. Halsbrecherisch für Freiberufler in dem Bereich. Und auf Nachfragen reagiert: niemand.

Die gute Nachricht: Die Oktoberabrechnungen für die Kindertagespflege enthielten, behauptet die Jugendverwaltung, „sämtliche Rückbuchungen und Korrekturberechnungen rückwirkend bis zum 01.01.2025“. Auch Böttcher hat ihre Nachzahlung inzwischen erhalten.

Die schlechte Nachricht: Es geht nicht allen so. In einer aktuellen Abfrage des Landesverbands Kindertagespflege berichtete mehr als die Hälfte von 54 teilnehmenden Kindertagespflegestellen, sie hätten ihr ausstehendes Geld immer noch nicht.

Und die ISBJ? Läuft nach Angaben von Kitaträgern immer noch holprig. „Wir merken, dass sie dran sind, und es gibt Verbesserungen“, sagte Anne Herdt vom Paritätischen dem Checkpoint. „Gleichzeitig herrscht der Eindruck, dass die Probleme nicht so richtig abreißen.“