Ärger mit den Kita-Gutscheinen: Neue Software legt Berliner Jugendämter lahm

Im Juni hieß es, dass die für die Erfassung der Gutscheine genutzte Software der Berliner Jugendhilfe (ISBJ-KiTa) nur eine Woche ausfällt. Nun ist unklar, wann sie wieder einsatzfähig ist. Von Margarethe Gallersdörfer und Stefan Jacobs

Ärger mit den Kita-Gutscheinen: Neue Software legt Berliner Jugendämter lahm
Foto: Patrick Pleul / dpa

Es begann harmlos, Mitte Juni: Etwa eine Woche lang, hieß es zum Beispiel am 16. Juni aus Treptow-Köpenick, seien die bezirklichen Servicestellen für Kita- und Hort-Gutscheine nicht einsatzfähig. Der Grund: „berlinweite Modernisierungsmaßnahmen in der für die Erfassung von Kita- und eFöB-Gutscheinen genutzten Integrierten Software Berliner Jugendhilfe (ISBJ-KiTa)“. Hören Sie, erfahrene Checkpoint-Leser, schon die Hitchcock-Geigen?

Aus den vergangenen Tagen:

Charlottenburg-Wilmersdorf: „Die Kitagutscheinstellen in den Jugendämtern, die FamilienServicebüros und die digitale Beantragung von Kitagutscheinen sind in Charlottenburg-Wilmersdorf weiterhin nur eingeschränkt nutzbar.“

Marzahn-Hellersdorf: „…arbeitet der Fachdienst Kindertagesbetreuung/Kindertagespflege/ergänzende Förderung und Betreuung (eFöB) vom 3. Juli bis 29. August 2025 nur eingeschränkt… können derzeit keine Kita-Gutscheine sowie Bedarfsbescheide für die ergänzende Förderung und Betreuung erstellt werden.“

Neukölln: „Berlinweit bestehen bis auf weiteres massive Einschränkungen … Gegenwärtig können wir nicht abschätzen, ab wann das Jugendamt wieder voll arbeitsfähig ist.“

Kann wohl auch die Jugendverwaltung nicht. Die beantwortete unsere Frage, wann die Software fehlerfrei laufen soll, sicherheitshalber nicht. Wies aber dafür Marzahn-Hellersdorf an, seine Pressemitteilung dahingehend zu korrigieren, dass Gutschein „nur bedingt“ erstellt werden könnten – statt „nicht“. Und stellte gegenüber dem Checkpoint die Behauptung auf: „Die Bearbeitung der Gutscheine ist möglich.“ Möglicherweise ein kleiner rhetorischer Trick: Es scheint nämlich die Dateneingabemaske zu sein, die Fehlermeldungen in Serie ausspuckt. Was schon drin ist, kann wohl bearbeitet werden – schwacher Trost für die Jugendamtsmitarbeiter, die berlinweit gerade Tausende Neuanmeldungen von zukünftigen Kitakindern und Erstklässlern zu beackern haben.

Es spricht Gordon Lemm, SPD-Jugendstadtrat für Marzahn-Hellersdorf: „Weil der Einführungszeitpunkt der neuen Software genau in die Hochphase für Kita- und Hort-Gutschein-Anmeldungen fiel, hatten die Bezirke vorher schon gewarnt, dass das dann aber auch wirklich funktionieren und laufen muss.“ Sehr zuversichtlich sei sie da, habe die Senatsverwaltung gesagt. Berlins berühmte letzte Worte.