Dreiste Luxus-Investoren: Bauamt Berlin-Mitte prüft Mietwohnungsabriss auf Zweckentfremdung
In Moabit will ein Projektentwickler intakte Miet- zugunsten von Eigentumswohnungen abreißen. Und auf welcher Seite steht die FDP? Lorenz Marold ahnt/weiß es.
Da sind die Vorgänge an der Dortmunder Straße zusätzlicher emotionaler Sprengstoff (Zitat von gestern) – hier lässt ein Projektenwickler gerade ein intaktes Mietshaus abreißen, um Platz für Eigentumswohnungen zu schaffen (ca. 10.000 Euro pro qm), und der Architekt Tobias Nöfer jubelt: „Unsere Baulücke fordert förmlich, mit einem ebenso großzügigen und schönen Bauwerk gefüllt zu werden.“ Tja, wenn die Baulücke das fordert, kann man wohl nichts dagegen tun – oder?
Seit gestern der Checkpoint darüber berichtete, prüft jedenfalls das Bauamt Mitte den Fall, der ein Musterkandidat für Investorendreistigkeit sein könnte. Denn genehmigt wurde der Bau von Ersatzwohnungen in gleicher Fläche und Größe zu 7,92 Euro pro Quadratmeter – davon aber ist im Prospekt von „The Flaneur“ nicht die Rede. Eigentumswohnungen sind bei höherem Bauvolumen nur darüber hinaus erlaubt – ansonsten ist eine Zweckentfremdungsstrafe von 2400 Euro pro qm fällig. Als Freibrief für einen flächendeckenden, vorsätzlichen Verstoß gegen die Genehmigung gilt das allerdings nicht – da drohen zusätzliche Sanktionen.
Der FDP-Abgeordnete Björn Jotzo verteidigt dennoch das Vorgehen des Projektentwicklers – dem Checkpoint sagte er gestern, er halte das für „eine win-win“-Situation: Das Land Berlin könne die Zahlungen ja in den Bau neuer, günstiger Häuser stecken. Ok, aber für die alten Mieter ist das kein Trost – ihre Wohnungen sind sie erstmal lose-lose.