Minister Müller: „Der politische Wille fehlt“
Zum Checkpoint-Politik-Rätsel – wer hat in dieser Woche bei der Digitalkonferenz „Europe 2021“ (organisiert von „Zeit“, „Tagesspiegel, „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“) gesagt:
„Wir wissen was zu tun ist, allein der politische Wille fehlt.“
Ja, kaum zu glauben, aber das Zitat stammt von Gerd Müller, im achten Jahr Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Im Gespräch, das ich mit Müller am Dienstag in der RBB-Dachlounge führen konnte, zeigte sich der Minister, der an seinem Wohnort im Allgäu wegen des Klimawandels „inzwischen Ananas züchten“ kann, als verzweifelter Optimist: Die Lobbyverbände der globalen Wirtschaft sind seinen Worten zufolge so stark in den Regierungen vernetzt, dass sie verhindern können, die Nachhaltigkeitskapitel in internationalen Freihandelsvereinbarungen nachprüfbar zu verfestigen.
Die Folge: „Erst sterben die Tiere, dann die Pflanzen, dann der Mensch.“ Dennoch (oder besser: deswegen) pflanzte der Katholik Müller vor seinem Austritt aus der Regierung (zur Bundestagswahl hört er auf) noch einen politischen Apfelbaum: die „Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima“, in der sich bereits fast 900 Unternehmen, Vereine, Verwaltungen, Organisationen und Privatpersonen engagieren. Ihr Ziel: immer mehr klimaneutrale Inseln zu schaffen, die solange zusammenwachsen, bis sie irgendwann keine mehr sind.