Die FAZ lässt einen Berliner Berlin niedermachen

Ein paar Stunden später erschien die „FAZ“ mit einem Essay von Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin als Sohn des Dramatikers Botho Strauß. Titel des Stücks: „Zwei Städte wie Tag und Nacht“, das Thema: ein Vergleich zwischen Frankfurt und Berlin. Es geht schon bei der Titelunterzeile los: „Frankfurt, von Berlin aus gesehen: Dort zählen Tatsachen, hier Einbildungen. Womöglich hat man sich bei der Wahl der Hauptstadt vertan.“ Was folgt, hieße bei Rezo „Die Zerstörung von Berlin“ – hier ein paar Zitate:

+ „Die Namen der Straßen, der Plätze, der U-Bahn-Stationen sind abgenutzt, ausgeleiert, aufgebraucht. Berlin lebt mehr von seinem Ruf als von seiner Geschichte.“

+ „Berlin ist Weltstadt, aber die Menschen hier haben nichts Weltmännisches an sich, sie flanieren nicht, sie streifen wenig, sie essen hastig und trinken Cocktails unter Neonröhren.“

+ „Ruhm hat diese Stadt faul gemacht, das weltweite Begehren ihre Züge hochmütig werden lassen. Die vielbesungene Berliner Luft hängt schwer über den Dächern.“

+ „Eine abgekühlte, eine verhärtete Stadt. Übersättigt und eingebildet, cool, aber einsam leben die Berliner von ihrem Ruf.“

Und Frankfurt? Was ist mit Frankfurt? „In Frankfurt steht man auf dem Boden von Tatsachen, nicht von Einbildungen.“

Apropos Bildung: Strauß hat an der Humboldt-Uni promoviert. So schlimm kann es hier dann ja wohl doch nicht sein.