Mietzuschuss soll gestrichen werden: Berlin spart an Sterbe- und Trauerbegleitung für Kinder
Der Tod von Angehörigen ist für Kinder und Jugendliche oft schwer zu verarbeiten. Einem Verein, der Hilfe anbietet, drohen nun Mittelkürzungen und das Aus – trotz Überlastung. Von Robert Ide.
Berlin muss sparen und kürzt dabei an seinem sozialen Gewissen. Nach den umstrittenen Einsparplänen für Frauenhäuser und Gewaltprävention (der Checkpoint berichtete) sowie für Brennpunktschulen (Hintergründe hier) soll auch der Zuschuss für die Sterbe- und Trauerbegleitung für Kinder sinken. „Uns fehlen ab nächstes Jahr 20.000 Euro Mietzuschuss. Da wir unsere Hilfe zu großen Teilen schon als unbezahlte Überstunden leisten, müssen wir im Zweifel unsere Beratungen reduzieren oder ganz einstellen“, sagt Annette Dobroschke, Leiterin von Tabea e.V., im Checkpoint-Gespräch.
Die Beratungsstelle am Bahnhof Charlottenburg hilft jährlich etwa 300 Kindern nach plötzlichen Todesfällen von Geschwistern oder Eltern. Am Dienstag etwa habe sich eine Familie gemeldet, deren siebenjähriger Sohn gerade seinen Vater verloren hat; zudem gab es die Anfrage einer Schulsozialarbeiterin für einen 14-Jährigen, der seine Mutter tot in der Wohnung aufgefunden hat. Für ihr Beratungsangebot wurde Dobroschke, die den Hilfsverein vor 30 Jahren ehrenamtlich aufgebaut hat, mehrfach ausgezeichnet. „Mein Bundesverdienstkreuz liegt in der Schublade. Wir brauchen aber eine Wertschätzung durch Unterstützung unserer Angebote.“
Am meisten ärgert die Pädagogin und Traumatherapeutin, dass kein Verantwortlicher aus der Berliner Politik mit dem Verein über die geplanten Kürzungen gesprochen habe und dass „die Senatsverwaltung für Gesundheit weiß, dass wir bereits jetzt unterfinanziert sind“. Dobroschke hofft nun auf die Haushaltsverhandlungen im Abgeordnetenhaus. Sie sagt: „Das Wesen einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie mit ihren Ärmsten umgeht. Die geplanten Kürzungen bei Frauenhäusern, Suchtprävention und der Sterbebegleitung für Kinder werfen ein trauriges Licht auf Berlin.“
Berlin ist strukturell nicht reich. Aber wird das wirklich besser, wenn die Stadt an ihren sozialen Rändern spart? „Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Stadt beuten sich meist selbst aus“, sagt Dobroschke. „Wir bringen es aber nicht übers Herz, zu streiken. Denn die Opfer, denen wir helfen, brauchen unsere Hilfe.“ Wie die beiden Jungen, die den Tod der Eltern verkraften müssen und deren Umfeld auf Beratung und Betreuung hofft.