Der Senat verspricht Geld, doch der zuständige Bezirksstadtrat lehnt ab
Nach Intervention des Bezirksbürgermeisters soll die Bühne nun doch restauriert werden. Nun wird ein „realistischer Zeitplan“ erstellt. Aus dem Checkpoint. Von Lorenz Maroldt
Freilichtbühne frei für den nächsten politischen Nahkampf, diesmal im Battle: Oliver Schruoffeneger in der Rolle des Theo Gromberg gegen den Rest der rot-rot-grünen Welt. Schauplatz: die verwilderte Gustav-Böß-Arena in der Jungfernheide. Der Plot: Das Abgeordnetenhaus stellt auf Drängen der SPD dem Bezirk vier Millionen Euro für die Wiederherstellung der Kulturstätte zur Verfügung, aber der Stadtrat der Grünen wehrt das Geld ab: In einem Brief an den Hauptausschuss erklärt Schruoffeneger, die Mittel innerhalb von zwei Jahren in voller Höhe auszugeben sei „vollkommen unrealistisch“: Nutzung, Wirtschaftlichkeit, Denkmalfragen, Lärmschutz – nichts sei geklärt. Drei Tage später beschließt die BVV einstimmig: „Küsst die Freilichtbühne Jungfernheide wach“. Von den Knutschgeräuschen aufgeschreckt, wendet sich sechs Tage später Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) an den Hauptausschuss und erklärt das Schreiben seines Stadtrats für „gegenstandslos“. Noch zwei Tage später erscheint die „Berliner Woche“, der SPD-Abgeordnete Christian Hochgrebe zeigt sich darin über den Stadtrat „irritiert“, doch Schruoffeneger kontert: „Ich lasse mich nicht vorführen!“ Eigentlich ein perfektes Programm für eine Freilichtbühne…
… doch jetzt soll erstmal „ein realistischer Zeitplan“ erstellt werden – wer Berlin kennt, weiß, was das heißt: Die heute Beteiligten kommen zur Eröffnungsveranstaltung allesamt in den Genuss einer ermäßigten Seniorenkarte. Und eine kleine, feine Ironie findet sich auch noch in der Geschichte: Gustav Böß, Oberbürgermeister Berlins seit 1921, bis er 1929 über die Pelzaffäre der Gebrüder Sklarek stürzte, setzte sich für eine stärkere Zentralisierung des Zweckverbandes Groß-Berlin ein – die Bezirksämter konnten das aber immer wieder erfolgreich abwehren (bis heute).