Probleme zum 100. Geburtstag: Die S-Bahn kämpft mit Fahrzeug-Störungen
Der 100. Geburtstag der Berliner S-Bahn wurde am Donnerstag mit Sonderfahrten des historischen Jubiläumszugs gefeiert. Schöne Bilder zum schönen Anlass. Und tatsächlich steht die S-Bahn heute so gut da, wie nie lange nicht, erst recht im Vergleich zur kriselnden BVG. Nie war das Angebot auf der Schiene dichter. Doch mehr wird es in den nächsten Jahren auch (fast) nicht mehr werden. „Das System und die Infrastruktur sind ausgereizt“, sagt S-Bahn-Chef Peter Buchner im Tagesspiegel-Interview. Für weitere Züge ist kein Platz. Dabei kommt schon heute längst nicht jeder Zug – und erst recht nicht pünktlich.
Ein Grund: die Bahnen selbst. Die neueste Fahrzeug-Generation erweist sich bislang als störanfälliger als die Bestandsflotte – die auf einmal auch noch anfängt, Ärger zu bereiten. Ausgerechnet durch das Langlebigkeits-Programm, bei dem die Wagen generalüberholt werden, spielt plötzlich die alte Elektrik verrückt. „Seither treten punktuell Störungen auf, die es vorher nicht gab“, sagt Buchner.
Und während die S-Bahn noch gefeiert wird, droht Ende des Jahrzehnts schon die nächste große Krise. Dann müssen die 40 Jahre alten Züge der Baureihe 480 endgültig aus dem Dienst. Nur Ersatz wird es dann höchstwahrscheinlich noch nicht geben, weil sich der Senat bei der S-Bahnvergabe seit Jahren verzettelt. Klar ist: Das größte Problem der Berliner S-Bahn ist mittlerweile nicht mehr das Wetter.
Dem großen S-Bahn-Jubiläum widmen wir uns in dieser Woche mit einer Sonderserie. Für alle, die es bislang verpasst haben, hier ein kleiner Blick in den Fahrplan:
+ Ein Rückblick auf die ersten Jahre der S-Bahn – und warum 1924 womöglich ein komplett falsches Jubiläumsjahr ist.
+ Die besondere Ost-West-Geschichte der S-Bahn in den Jahren der Teilung. Als der West-Teil der Stadt die S-Bahn boykottierte.
+ Ein Blick auf die große S-Bahn-Krise 2009, als nur noch jeder vierte Zug einsatzbereit war.