Corona verhandelbar für Politiker?

Eigentlich sollte er mit gutem Beispiel voran gehen – stattdessen fuhr Charlottenburgs Bezirks-Chef Naumann in Urlaub. Inklusive Vorzugsbehandlung beim Gesundheitsamt. Von Lorenz Maroldt

Corona verhandelbar für Politiker?
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Niedriges Risiko – Bisher keine Risiko-Begegnung“, zeigt meine Corona-Warn-App an. Aber die Zahl der aktiven Fälle steigt in Berlin seit Tagen deutlich, der R-Wert (Ansteckung pro Person) liegt bei 1,58 – kein guter Trend jedenfalls. Wie sorglos ausgerechnet manche Politiker mit der unsichtbaren Gefahr umgehen, zeigt u.a. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (ChaWi) – unbekümmert verbrachte er trotz Reisewarnung seinen Pfingsturlaub in Schweden, die verordnete zweiwöchige Quarantäne ignorierte er. Naumanns Begründung: Die Amtsärztin des Bezirks habe sein Angebot akzeptiert, stattdessen eine Woche ins Homeoffice zu gehen. Bonum relationes. Wir lernen: Die Corona-Verordnung ist verhandelbar – jedenfalls für Bezirksbürgermeister.

Eine weitere Erkenntnis im Fall Naumann: Das Virus kann strikt trennen zwischen Dienstlichem und Privaten – jedenfalls (siehe oben) bei Bezirksbürgermeistern. So fehlte Naumann am Freitagnachmittag vor einer Woche zwar bei einem wichtigen BVV-Termin, feierte aber am Abend fröhlich mit Freunden in einem Lokal seinen zehnten Hochzeitstag. Am nächsten Tag besuchte er den Wochenmarkt am Karl-August-Platz. Naumanns Erklärung hier: Außerhalb seiner Dienstzeit sei er „Privatmann“ und nicht Bürgermeister. Und außerhalb der Dienstzeit ist der Bürgermeister nicht mal für Covid-19 zu sprechen.