„Sterben ist einer der intimsten Momente im Leben“
Zum heutigen „Tag der Kinderhospizarbeit“ haben wir mit Nina Lino gesprochen – die 38-Jährge arbeitet seit bald 20 Jahren in der Palliativpflege für die Jüngsten. Von Thomas Lippold und Lorenz Maroldt
Zum heutigen „Tag der Kinderhospizarbeit“ haben wir mit Nina Lino gesprochen – die 38-Jährge arbeitet seit neun Jahren für die Björn-Schulz-Stiftung, die Kinderhospizarbeit kennt sie seit bald 20 Jahren.
Der Hashtag der Björn-Schulz-Stiftung zum Tag der Kinderhospizarbeit 2022 ist #sterbenverbindet. Verbindet Sterben wirklich?
„Sterben ist einer der intimsten Momente im Leben eines Menschen. Diesen Moment mitzuerleben, verbindet Familien, Freunde und das gesamte soziale Umfeld – weit über den Tod hinaus. Und Sterben verbindet die unterschiedlichen Bereiche der Stiftung mit einem stiftungsübergreifenden multiprofessionellen Netzwerk zu einem tragfähigen Unterstützungssystem für die betroffenen Familien.“
Gibt es ein Erlebnis aus ihrer Kinderhospizarbeit, aus welchem Sie Kraft schöpfen?
„Ja, die Erinnerung an eine junge Frau, die im Alter von 14 Jahren schwer erkrankt ist. Trotz der Schwere dieser Erkrankung und der scheinbar hoffnungslosen Situation hat sie ihren Mut zum Leben nie verloren. Sie hat auf der Abendschule ihr Abitur nachgeholt und als Klassenbeste abgeschlossen. Im Anschluss hat sie, schwer beeinträchtigt von der Erkrankung, ein Jurastudium begonnen. Als wir sie kennenlernten, war sie Anfang 20 und in einer erneuten, schweren gesundheitlichen Krise. Selbst da hat sie einen ungebrochenen Lebenswillen gezeigt und sogar noch angefangen, Klavierunterricht zu nehmen.
Sie war fest entschlossen, auch ihr Studium wieder aufzunehmen, aber dazu ist es leider nicht gekommen. Bis heute denke ich oft an sie und ihre unerschütterliche Lust, zu leben – egal, wie aussichtslos die Situation erscheint.“
Was wünschen Sie sich für die Kinderhospizarbeit?
„Dass wir das Thema Tod und Sterben wieder mehr in die Gesellschaft holen, den Tod enttabuisieren, ins Leben zu holen. Um gemeinsam ein lebenswertes Leben für lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien zu ermöglichen.“