Knabe soll Missstände in Gedenkstätte befördert haben

Jetzt knallt‘s im Fall Knabe: Kultursenator Lederer und Staatsministerin Grütters gehen mit neuen Informationen gegen die Legende einer „politischen Strafaktion“ bei der Entlassung des Direktors der Stasi-Gedenkstätte vor. In einem sechsseitigen internen Brief an den Beirat (liegt dem Checkpoint vor) konkretisiert Lederer erstmals die Vorwürfe des Führungsversagens bei sexueller Belästigung von Volontärinnen. Knabe habe dabei gegen Auflagen verstoßen und Vorfälle bagatellisiert. In einem Schreiben an die Unionsfraktion legt Grütters nach: Knabe habe die Missstände nicht nur geduldet, sondern „durch seinen Führungsstil und sein Verhalten befördert“.
Im Mittelpunkt der Affäre stehen Knabe sowie sein ehemaliger Stellvertreter und Duzfreund Frauendorfer, der über seinen Anwalt Fehlverhalten zugegeben hat. Bereits 2013 war Knabe von der Kulturverwaltung (damals zuständig: Klaus Wowereit) dringend aufgefordert worden, sich stärker um Führungsfragen und die „Zufriedenheit der Mitarbeiter“ zu kümmern. 2014 berichtete erstmals eine Volontärin der Frauenbeauftragten von sexuellen Belästigungen. Entgegen einer Auflage des damaligen Staatssekretärs Renner unterstellte Knabe später wieder eine Volontärin seinem Vertrauten Frauendorfer – und auch die beklagte sich über sexuelle Belästigung. Mehrere Mitarbeiterinnen werfen dem Ex-Führungsduo ein „Frauenbild aus den 50er Jahren“ vor, wozu auch solche Sprüche gehörten: „Sie sehen aus wie ein Rennpferd, das länger nicht geritten wurde.“
Mein Kollege Alexander Fröhlich hat den Fall rekonstruiert, das Fazit: Die bei AfD, CDU und FDP beliebte und von manchen Journalisten befeuerte Verschwörungstheorie stützt sich auf morsche Knochen – so ist es z.B. nur eine Mär, dass Knabe vor seiner Entlassung nicht vom Stiftungsrat angehört wurde: Die Sitzung begann um 15 Uhr, nach 25 Minuten wurde der Gedenkstättenleiter hereingebeten, und „nun hatte Herr Dr. Knabe u.a. Gelegenheit, Stellung zur Situation in der Gedenkstätte und zur Wahrung seiner Sorgfaltspflichten zu nehmen. Diese Gelegenheit hat Herr Dr. Knabe umfassend genutzt.