2025 nur vier verkaufsoffene Sonntage

Für Berlinkenner Mark Twain (der Autor lebte hier mit seiner Familie von 1891 bis 1892 und befand, in Berlin könne man alles lernen „außer Deutsch“) waren die Wochentage vor allem dazu gut, „um sich von den langweiligen Sonntagen zu erholen“. Ob er sich weniger gelangweilt hätte, wenn Kaiser Wilhelm, mit dem der Schriftsteller zuweilen zu Tische saß, nicht gerade zu dieser Zeit die Sonntagsöffnung der Läden verboten hätte?

Gut 130 Jahre später jedenfalls will Kaiser Wegner… pardon: will Kai Wegner an acht Sonntagen des kommenden Jahres das Volk shoppen lassen, damit es nicht vor lauter Langeweile ans Bürgeramt denkt – doch der Hofstaat denkt nicht daran! Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe entschied in eigener zuständiger Macht: Vier müssen reichen – und veröffentlichte das Dekret gegen den Willen Wegners im Amtsblatt:

Im öffentlichen Interesse dürfen Verkaufsstellen ausnahmsweise am 26. Januar zur Internationalen Grünen Woche, am 7. September zur Internationalen Funkausstellung, am 7. Dezember zur Adventszeit in der ganzen Stadt und am 21. Dezember zur Adventszeit in der ganzen Stadt und dem Louis Lewandowski Festival öffnen.“

Da hilft dem Regiermeister weder seine ohnehin eingeschränkte Richtlinienkompetenz noch der Koalitionsvertrag („Unter Berücksichtigung der gerichtlichen Beschlusslage zum Ladenöffnungsgesetz wird die
Koalition die bestehenden Regelungen zur Sonntagsöffnung rechtssicher gestalten“) - und schon gar nicht der Entwurf zum neuen CDU-Grundsatzprogramm („Christliche Symbole sind ebenso zu schützen wie der Sonntag“). Bleibt nur eine Koalition mit dem parteipolitischen Arm des Handelsverbands... ach, die FDP ist gar nicht mehr im Parlament? Na dann.

So, und was meinen Sie?