Alter des seltenen Ausgrabungsfunds in Brandenburg bestimmt

Im Mai stießen Bauarbeiter auf eine archäologische Sensation – ein gut erhaltenes Frauenskelett. Jetzt ist geklärt, wann die „Dame von Bietikow“ durch die Uckermark streifte. Sie lebte vor rund 5300 Jahren. Von Robert Ide

Alter des seltenen Ausgrabungsfunds in Brandenburg bestimmt
Foto: Philipp Roskoschinski/dpa

Als Berlin noch nicht Berlin war und Brandenburg nur ein sandiges Staubkorn in ferner Zukunft, als die Menschen der Vergangenheit noch als Nomaden durch die Flur oder als Bauern über Felder streiften, da lebte eine junge Dame in der Uckermark und kaute knirschend auf Getreidemehl. Ihre Gebeine, verbuddelt in der Hockerstellung (Foto hier) und Jahrtausende später gefunden beim Buddeln für ein Windrad, wie der Checkpoint im Mai exklusiv berichtet hatte, brachten nicht nur das Blut der Berliner Archäologen Christoph Rzegotta und Philipp Roskoschinski in Wallung: Wie viele Zeiten hatten diese Knochen wohl schon auf dem Schädel?

Nun, nach aufwändigen Untersuchungen, löst sich das Rätsel: Die Dame von Bietikow, wie sie in Fachkreisen genannt wird, lebte im vierten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung – wahrscheinlich zwischen 3.500 bis 3.100 v.u.Z., höchstwahrscheinlich zwischen 3.400 und 3.300 v.u.Z. Sie ist also mit mehr als 5300 Jahren so steinalt wie Ötzi, die berühmte Gletschermumie aus dem Eis der Alpen.

Die Zeit damals ging als Jungsteinzeit in die nicht mehr junge Geschichte ein – genauer als Trichterbecherkultur, benannt nach der damals typischen Keramikform und bekannt als Beginn der Ackerwirtschaft und der ersten auf Rädern durch Europa rollenden Wagen. „Die vermutete Datierung der ‚Dame von Bietikow‘ in die Zeit der Trichterbecherkultur ist nun bestätigt. Damit ist die brandenburgische Landesarchäologie um einen seltenen und besonderen Befund reicher“, teilt Christof Krauskopf, Sprecher des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, dem Checkpoint mit. Und Archäologe Philipp Roskoschinski ist sich auf Nachfrage sicher: „Die ‚Dame von Bietikow‘ ist die stumme Zeugin einer Zeit, welche umfassende Veränderungen mit sich brachte und welche auch noch bis in unsere moderne Zeit hinein nachwirkt.“

Eines immerhin hat sich seitdem grundlegend neu eingeschliffen: die Zahnpflege. Denn die uralte Frau, die selbst nur 30 bis 45 Jahre jung wurde, hatte laut Untersuchung „einen starken kariösen Defekt an einem Backenzahn, der zu einer tiefgehenden Schädigung führte und eine starke Entzündung bewirkt haben wird“. Nun sollen die Zähne noch genauer untersucht werden – denn in ihnen finden sich noch mehr Spuren aus einer Zeit vor unserer Zeit, deren Wind über die Felder der Uckermark bis heute zu uns herüberweht.