Tagesspiegel der Falschdarstellung bezichtigt: Slotty bestreitet Aussagen zur Bebauung des Tempelhofer Feldes
SPD-Staatssekretär Slotty bestreitet Aussagen zur möglichen Bebauung des Tempelhofer Feldes durch private Investoren. Eine dem Tagesspiegel vorliegende Tonaufnahme widerlegt das. Von Margarethe Gallersdörfer.
„Lass uns auf das Feld schauen.“ Mit diesem schönen Slogan wirbt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Moment auf Social Media immer wieder für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Nur Fans vom Lauschen scheinen sie nicht zu sein. Jedenfalls nicht auf das, was SPD-Staatssekretär Alexander Slotty vor etwa einem Monat auf einer Immobilienbranchen-Veranstaltung zum Tempelhofer Feld gesagt hat: Es gebe bei der Bebauung der Freifläche „Möglichkeiten, hier auch private Vorhabenträger, Investoren, am Kuchen zu beteiligen“. Das sei „ein Stück weit meine Einzelmeinung“. Er setze sich dafür ein, sei aber noch nicht am Ziel.
Die Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg interessierte die Sache mit dem Kuchen gar sehr, sie fragte im Bauausschuss am 30. September nach. Und jetzt kommt’s! Statt einzuräumen, dass er vielleicht ein bisschen eifrig war vor den Immobilienleuten, zog Slotty es vor zu raunen: „Ich habe es schon an anderen Stellen gesagt, nicht alles, was in der Zeitung steht, muss richtig sein. Ich denke, diese Erfahrung haben auch Sie schon gemacht, die hat wahrscheinlich jeder, der im politischen Raum ist, schon gemacht.“
Das ist wohl so. Leider war in diesem Fall die Kollegin Teresa Roelcke nicht nur im politischen, sondern im echten Veranstaltungsraum vor Ort, hat Notizen gemacht und den Ton der Veranstaltung am Handy mitgeschnitten. Siehe da: Nach mehrmaligem Durchhören sind sowohl Slottys Kuchen als auch seine anderen zitierten Sätze immer noch auf der Aufnahme. Haben Sie DIESE Erfahrung schon mal gemacht?
Gennburg ließ nicht locker und stellte noch eine schriftliche Anfrage – mit dem delikaten Titel „Kuchen oder kein Kuchen, das ist hier die Frage!“. Doch auch diesmal wollte der Senat sie nicht richtig beantworten. Gennburg fragt konkret, ob „der Herr Staatssekretär dem Tagesspiegel“ vorwerfe, „im betreffenden Artikel falsch wiedergegeben worden zu sein“. Und will außerdem wissen: „Sollten die Aussagen im Tagesspiegel korrekt wiedergegeben sein (und davon geht die Anfragestellerin im Hinblick auf den ehrwürdigen Tagesspiegel aus)“ – wie denn der „Einsatz für die Privatisierung des Tempelhofer Feldes im schwarz-roten Senat“ so laufe? Statt einzuräumen, dass Slotty – womöglich in dem Irrglauben, es seien keine Journalist:innen anwesend – hier vielleicht Aussagen getätigt hat, die dem Senat die Kuchenparty versauen, schreibt die Verwaltung: „Es existieren keine autorisierten Zitate.“ Stimmt natürlich: Zitate aus öffentlichen Veranstaltungen werden grundsätzlich nie autorisiert.
Wie sieht’s aus, Herr Staatssekretär? Kleine Nachhörsession bei uns in der Redaktion, mit eventuell anschließender Entschuldigung? Team Checkpoint spendiert auch ein Stück Kuchen…