Berlin ist eine smarte City – wir wussten es nur noch nicht

Wahnsinn: Beim Smart-City-Index des Digitalverbands Bitkom hat es Berlin auf Platz 4 der deutschen Großstädte geschafft. Zitat: „Die Hauptstadt punktet vor allem mit einer smarten Verwaltung.“

Stimmt! Wie smart Berlin ist, zeigt sich gerade wieder am Fall des Trojaner-Angriffs auf das Kammergericht: „Es ist sicherlich ein Glücksfall für das Gericht, dass Berlin in der Digitalisierung so extrem hinterherhinkt, das Kammergericht also immer noch auf Papierbasis arbeiten kann“, sagt ein IT-Unternehmer, der vor seiner Selbstständigkeit mehrere Jahre in der Berliner Justiz tätig war. Hätte Berlin bereits die elektronische Akte – es wäre alles weg.

Über das augenscheinlich systematische Unterlaufen von IT-Sicherheitsstandards im Kammergericht, dessen Computersystem im September mit dem Virus „Emotet“ infiziert wurde, berichten meine Kollegen Robert Kiesel und Fatina Keilani heute im Tagesspiegel auf Seite 7. Überschrift – passend zur Smart City Berlin: „Zurück zu Schere und Klebestift“.

Fünf Minuten nach der Bitkom-Meldung kam übrigens folgende Mail von Gerichtssprecherin Lisa Jani: „Die Pressestelle der Berliner Strafgerichte in Moabit ist organisatorisch und computertechnisch dem Kammergericht angegliedert. Da die Bereinigung des IT-Systems des Kammergerichts andauert, ist die Pressestelle der Berliner Strafgerichte vorübergehend per Email nur über die folgenden Adressen beim Amtsgericht Tiergarten zu erreichen…“

Einen augenblicklichen Effekt hatte die unverhoffte Auszeichnung dann aber doch: Den nächsten Termin für die Beantrag eines neuen Personalausweises gab es am Abend schon am 22. Oktober – allerdings in Buch.