Eine Liebe über die Mauer hinweg

Das Ungeheure geschah an einem Sonntag im August, „scheinbar ein Sonntag wie jeder andere. Ich drehe verschlafen meinen Kopf zur Seite und blicke auf den gleichmäßig atmenden Wolfgang. Ich will aufstehen, nach den Kindern sehen, Wolfgang murmelt träge, ich stelle das Radio an. Die Sonne scheint, dringt schwül in unsere kleine Wohnung. Doch auf einmal ist das alles egal, denn wir hören diese Stimme aus dem Radio und die letzten Worte lähmen unsere Gedanken, hallen in unseren Ohren: Friedliebende West-Berliner mit gültigem Personalausweis dürfen an folgenden Grenzübergängen die Grenze passieren … Gebannt sitzen wir im Bett, eng umschlungen, wartend. Schon kurz danach werden unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Für den einen Teil unserer Familie, der im Osten lebt, ist von nun an der Zugang in den Westteil der Stadt verwehrt.“ Helga Aue hat die Geschichte so erzählt, privat ihrer Enkelin Katja. Die hat sie aufgeschrieben für einen Tagesspiegel-Schülerwettbewerb: Kinder fragen ihre Großeltern nach dem Mauerbau. Später erzählte auch Helga noch einmal öffentlich von ihrer Liebe, die es so nur in Berlin geben konnte: Sie bleib im Osten. Und Wolfgang im Westen. Bis 1989 führten sie eine Fernbeziehung über die Mauer hinweg (die Geschichte aus unserem Archiv hier). Nach dem Mauerfall zogen sie zusammen. Grenzenlos verliebt.