Berliner Schüler stellt kritische Fragen zum Kanzleramt

Ein Achtklässler will wissen, warum das Kanzleramt in Berlin-Mitte für 600 Millionen Euro erweitert wurde. Die Antwort des Bundespresseamtes überzeugt ihn nicht. Von Lorenz Maroldt

Berliner Schüler stellt kritische Fragen zum Kanzleramt
Das Kanzleramt in Berlin wurde für 600 Millionen Euro ausgebaut. Foto: Christophe Gateau/dpa

Der Berliner Gymnasiast Mika-Benedict Jaß (8. Klasse, „Ich interessiere mich für Politik“) wollte vom Bundespresseamt wissen, warum das Kanzleramt für 600 Millionen Euro ausgebaut und u.a. mit „unnötigen Extras“ wie einer zweite Zusatzbrücke (18 Mio.) und einem fünfstöckigen Wintergarten (14 Mio.) ausgestattet werden muss. Wie es denn angesichts dieser Zahlen „mit dem Gewissen vereinbar ist, dass drei Kilometer entfernt Obdachlose durch Kälte oder auch Hass ums Leben kommen“, wollte der Schüler noch wissen, und warum der Bonner Dienstsitz (Palais Schaumburg) für 17 Millionen Euro renoviert wird. „Des Weiteren erschießt es sich mir nicht, warum für 700 Mitarbeiter rund 50.000 qm zur Verfügung stehen müssen, während in einer Schule mit 1300 Schülern in Klassen mit über 30 Schülern Klassenräume von 35 qm als ausreichend erachtet werden.“

Die Antwort des Bundespresseamts („Sehr geehrter Herr Jaß“) ist formvollendet und hervorragend für den Leistungskurs Politik geeignet (Kapitel „Bürgernähe“): „Vor dem Hintergrund kontinuierlicher Aufgabenerweiterungen in der aktuellen und den zurückliegenden Legislaturperioden und dem damit einhergehenden deutlichen Aufwuchs des Personalkörpers ist eine bauliche Erweiterung des Bundeskanzleramtes um bis zu 400 Büroräume erforderlich.“ Es folgen in zwei weiteren Sätzen 13 seelenlose Substantive („Vergangenheit“, „Raum- und Belegungssituation“, „Verdichtung“, „Anmietung“, „Büroräume“, „Verlagerung“, „Arbeitseinheiten“, „Problematik“, „Errichtung“, „Erweiterungsbau“, „Zusammenführung“, „Arbeitseinheiten“), in denen selbstverständlich auch das Behördenzwangsadjektiv „nachhaltig“ in Kombination mit „gelöst“ vorkommt, sowie in Sachen Bonn ein Hinweis auf „das Gesetz zur Umsetzung des Beschlusses des Deutschen Bundestags vom 20. Juni 1991 zur Vollendung der Einheit Deutschlands.“

Mika-Benedict Jaß ist von der Antwort nicht ganz überzeugt. Er hat seine Fragen deshalb gleich nochmal geschickt, versehen mit dem Hinweis: „Die Internetseite zum Ausbau und dem dazugehörenden Q&A ist mir bekannt.“ Klarer Fall: Der Schüler hat eine vernünftige Erklärung verdient – und am besten auch noch eine Einladung von Angela Merkel.