So offen ist die Deutsche Bahn für alternative Kiezgestaltung

Der Konzern ließ eine Wagenburg in Marzahn räumen. Er spricht nicht mit Besetzern. Doch es gibt eine Vorgeschichte.

So offen ist die Deutsche Bahn für alternative Kiezgestaltung
Foto: Kai-Uwe Heinrich

22.000 Quadratmeter groß ist das Grundstück Zur Alten Börse 1 der Deutschen Bahn in Marzahn. 600 Quadratmeter davon hatten Aktivistinnen und Aktivisten drei Wochen mit einer Wagenburg besetzt. Sie wollten auf dem ungenutzten Gebiet, für das es aktuell keinerlei Pläne gibt, einen alternativen Lebensstil versuchen: ein Leben in Gemeinschaft. Am Montag wurde das Gelände geräumt: neun Besetzer und 250 Polizisten. Alles blieb friedlich, wie auch zuvor.

Während der Besetzung hatte die Bahn wiederholt betont, unter anderen Umständen gesprächsbereit zu sein: „Wir sind jederzeit für Nutzungsüberlegungen für unsere Grundstücke offen – sofern sie nicht für den Bahnbetrieb notwendig sind – und freuen uns über Vorschläge, sicherlich aber nicht im Rahmen einer rechtswidrigen Besetzung", sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Berlin.

Wirklich? Im Juli 2018 hatte sich das „MöWe“-Projekt, damals als „Verein in Gründung“ ausgewiesen (Voraussetzung für eine Anmietung), schriftlich an die Bahn gewandt und das Interesse an einer längerfristigen Miete bekundet. Die Idee: offene Werkstätten (Fahrrad, Metall, Holz) in mobilen Bauwägen einrichten, dazu einen Gemeinschaftsgarten. Unterstützt wurden sie von Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle und die Sozialstadträtin Juliane Witt (beide Linke). Das Schreiben schloss mit der Bitte um ein Gespräch.

Die Antwort der Deutschen Bahn, fünf Tage später: Eine „eingehende Prüfung“ habe ergeben, „dass die von Ihnen angefragte Liegenschaft aktuell für eine Vermietung bzw. eine Veräußerung nicht vorgesehen ist“. Freuen klingt anders.

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