Für Jüdinnen und Juden: Tikvah Institut will neues Berliner Feiertagsgesetz

Noch steht praktiziertes Judentum oft im Widerspruch zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deshalb lobbyiert das Tikvah Institut für eine Anpassung des Feiertagsgesetzes. Von Margarethe Gallersdörfer.

Für Jüdinnen und Juden: Tikvah Institut will neues Berliner Feiertagsgesetz
Foto: dpa / Robert Michael

Prüfungen, die nur samstags angesetzt werden, Ärger mit ignoranten Arbeitgebern: In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Doch das Feiertagsrecht orientiert sich oft so stark am Christentum, dass es anderen Religionen wie dem Judentum kaum gerecht wird. Ein Beispiel: Geschützt ist am Feiertag oft der Besuch von religiösen Veranstaltungen (sprich: der morgendliche Gottesdienst). Eine Regelung, die mit der Realität von praktizierenden Jüdinnen und Juden nur wenig zu tun hat – diese beachten am gesamten Schabbat und anderen jüdischen Feiertagen die Arbeitsruhe.

Das Tikvah Institut, geleitet von den Co-Gesellschafter:innen Volker Beck und Deirdre Berger, lobbyiert daher für eine Anpassung und Präzisierung des Berliner Feiertagsgesetzes. „Es ist ganz einfach“, sagt Berger. „Am Schabbat und an den 13 jüdischen Feiertagen soll keine Jüdin und kein Jude arbeiten oder Prüfungen ablegen müssen. Wäre dieses Prinzip bundesweit gesetzlich fixiert, wüssten auch Arbeitgeber und Prüfungsämter Bescheid, und praktiziertes Judentum müsste nicht mehr im Widerspruch zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stehen.“

Das Tikvah Institut veranstaltet am Dienstag eine Fachtagung zum Feiertagsrecht in Berlin und dem jüdischen Feiertagsrecht, gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Neuere Rechtsgeschichte der Humboldt Universität (HU) und der Experteninitiative Religionspolitik. Im Anschluss beginnt um 18 Uhr eine Abendveranstaltung im Senatssaal der Humboldt Universität, Unter den Linden 6, zu der die Öffentlichkeit geladen ist. An der ersten Podiumsdiskussion nehmen Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und HU-Präsidentin Julia von Blumenthal teil. Zur Anmeldung geht es hier.