Ein Angstraum zwischen Safe Spaces: Im Görlitzer Park in Berlin versagt die Politik seit Jahren

Das Kreuzberger Areal ist wegen Gewalt und Drogenhandel in Verruf geraten. Senat und Bezirk spielen aber nur Behördenpingpong – und ändern nichts. Es ist zum Verzweifeln. Ein Kommentar von Julius Betschka

Ein Angstraum zwischen Safe Spaces: Im Görlitzer Park in Berlin versagt die Politik seit Jahren
Nachts vermeiden einige, sich durch den Görlitzer Park zu bewegen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tagesspiegel

„Im Moment nicht“ – das hat die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang am Sonntag im ARD-Sommerinterview auf die Frage geantwortet, ob sie sich zurzeit nachts allein in den Görlitzer Park trauen würde. Im Moment nicht? Der Park ist seit Jahren wegen Gewalt und Drogenhandel in Verruf. Die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau – offenbar durch Dealer – hat ihn nun auf schlimmstmögliche Weise wieder bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Dabei trauen sich Frauen (und Männer) dort seit Jahren nachts nicht durch. Der Park ist ein Angstraum.

Das alles ausgerechnet in einem Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg, der sonst sehr viel Engagement darauf verwendet aufwendet, gezielt sogenannte Safe Spaces für Frauen und andere zu schaffen. Räume also, in denen sie sich sicher fühlen, unter sich sind. Daran ist wenig auszusetzen, solange Frauen, Männer und alle anderen eben noch nicht in der Lage sind, weitgehend ohne sexualisierte Gewalt und Diskriminierung zu koexistieren. Aber wie wäre es, würde zumindest gleichzeitig daran gearbeitet, ganz offensichtlich vorhandene Angsträume für alle im Bezirk zu beseitigen? Erst die Kärrnerarbeit, dann die Kür.

Seit Jahren schieben Bezirk und Senat stattdessen Verantwortlichkeiten hin und her. Es ist zum Verzweifeln. Die Untätigkeit wird auch mit dem Argument begründet, dass sich durch Eingreifen Probleme woandershin verlagern würden. So offensichtlich hat sich Politikversagen selten zur Schau gestellt. Wer tags oder nachts durch den Park geht, hat tatsächlich nicht den Eindruck einer funktionierenden staatlichen Ordnung. Das nützt am meisten all jenen, die diese ohnehin am liebsten auf rechts drehen würden: der radikalen AfD. Wann lernen wir es? Wer vor Problemen die Augen verschließt, lässt sie im Dunkeln gedeihen. Insofern ist der Satz der Bundesvorsitzenden der Grünen erhellend: „Im Moment nicht.“ Vielleicht spricht sich das ja bis nach Kreuzberg herum.