Aktueller R-Wert zu hoch, um bis Mitte Februar die 50er-Grenze zu erreichen

In Berlin vergingen nach dem bayrischen Coronafall fünf Wochen, bis der erste Patient schwer krank in die Charité gebracht wurde. Jetzt sind gut 30 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt (aktuell 387 Menschen); die Quote sinkt im Lockdown langsamer als die der Neuinfektionen, deren 7-Tage-Mittel aktuell 107 pro 100.000 Einwohner beträgt – mit nur geringen Unterschieden zwischen den Bezirken. Die R-Wert-Ampel auf der Senatsseite leuchtet unschuldig grün wie meistens, aber Modellrechnungen samt Grafik zeigen, dass der aktuelle Wert von 0,91 noch zu hoch ist, um bis zum zur Zeit gültigen Lockdown-Fristablauf in knapp drei Wochen die magische 50 mit der Aussicht auf Lockerungen zu erreichen.

Die (mangels rechtzeitiger Untersuchungen bisher nicht verifizierte) Vermutung, dass sich die ansteckendere Mutation B117 womöglich längst viel weiter ausgebreitet hat als bisher er- und bekannt, kann selbst zähe Optimisten frustrieren. Kanzlerin und Innenminister wollen die ansteckenderen Varianten durch weitgehende Einstellung des Flugverkehrs fernhalten – was auch bedeutet, dass wir uns den BER hätten sparen können, wenn wir’s vorher gewusst hätten. 660 Mio. Euro Steuergeld sollen allein in diesem Jahr durch den Tropf nach Schönefeld gluckern (Stand Montag; weitere Flugbeschränkungen bedeuten noch größeren Bedarf); solche Summen pulverisiert sonst nur der Bundesverkehrsminister.

Apropos B117: Die Mutation ist inzwischen bei 24 Beschäftigten des Reinickendorfer Humboldt-Krankenhauses festgestellt worden. Das ganze Personal – 1500 Menschen – befindet sich in „Pendel-Quarantäne“, was bedeutet, dass ihr Leben aus Schuften, Schlafen und vielleicht Chatten bestehen darf, sofern sie für Letzteres noch Energie haben. Allein das müsste Anlass genug sein, sich solidarisch zusammenzureißen.