Berlinovo-Palais führt zu Koalitionskrach

Im Senat hat es gestern ordentlich gerummst – Klaus Lederer war sauer: Unter „Verschiedenes“ rief der Kultursenator (geht auch gerne ins Chez Maurice) verärgert das für ihn überraschend veröffentlichte Berlinovo-Konzept für das Palais am Festungsgraben auf (CP von gestern): Ob der Finanzsenator das jetzt etwa auf diese Weise durchdrücken wolle? Aber auch der angesprochene Matthias Kollatz-Ahnen war nur mäßig erfreut über die detaillierte Beschreibung der von ihm getragenen Nutzungsidee und ihrer Unterstützer im Tagesspiegel - auf diese offene Konfrontation mit Befürworten anderer Ideen für das historische Gebäude hätte er zu diesem Zeitpunkt aus taktischen Gründen lieber verzichtet. Offiziell soll die Entscheidung erst im Sommer fallen.

Auf dem Baum waren auch die Grünen – der einflussreiche Abgeordnete Daniel Wesener twitterte: „Das ist doch wohl ein (schlechter) Scherz? Das „offene Interessenbekundungsverfahren“ zur Zukunft eines der prominentesten Kulturorte der Stadtmitte ‚gewinnt‘ das Eventbuden-Konzept einer Bad Bank? Eine Direktvergabe durch die Finanzverwaltung wäre ehrlicher gewesen!“ Und auch Wolfgang Thierse meldete sich – er erinnerte an das im Lenkungsausschuss durchgefallene, aber von vielen Diplomaten und Politikern unterstützte Konzept für ein „Haus der Vereinten Nationen“.

Vielleicht ist aber auch die ganze Aufregung verfrüht – die Sanierung des Gebäudes könnte ähnlich problematisch werden wie die der Staatsoper gegenüber: Auf historischen Karten ist zu erkennen, dass Teile des Palais-Fundaments nicht nur am alten Flutgraben stehen, sondern mittendrin – könnte gut sein, dass es da ganz schön fault.