Wird die BER-Ruine jetzt zum Wahrzeichen?
Berlin sucht einen neuen Slogan. Der vom Senat engagierte Berater orientiert sich dabei am alten Rom
Der Senat will die „Marke Berlin“ erneuern, als Berater wurde dafür Sebastian Zenker von der „Copenhagen Business School“ angeheuert. Was ihm dazu einfällt, präsentiert er kommenden Donnerstag der Öffentlichkeit. Wir wollen aber nicht so lange warten und schauen hier für Sie schon mal ins „Praxishandbuch City- und Stadtmarketing“ (Springer Fachmedien 2018, 49,99 Euro), wo Zenker das Wesentliche bereits aufgeschrieben hat:
„Von den Römern lernen, heißt siegen lernen – Schon die Stadtväter des antiken Rom versuchten, ein bestimmtes Bild ihrer Stadt in den Köpfen der Konsumenten zu verankern: Rom als beeindruckendes und starkes Zentrum der Kultur. Durch prachtvolle Bauten sollte die Macht Roms demonstriert werden. Überall wurden kleine Abbilder von Rom gebaut, die das strahlende Image der Hauptstadt in die Welt tragen sollten.“
Man sieht Julius Cäsar geradezu vor sich, wie er – das weise Haupt in die Hand gestützt – darüber sinniert, wie er das strahlende Image der Marke Rom in die Welt tragen kann… Vielleicht mit einem kleinen Überfall auf die Briten? Oder auf die Gallier? Die Germanen? Wie wäre es mit der Eröffnung eines römischen Pop-up-Stores am Rhein unter dem Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“?
Ok. Und was bedeutet das nun für Berlin? Na eigentlich ist die Sache doch wohl klar. „Prachtvolle Bauten“? Da demonstrieren wir machtvoll mit – wozu haben wir denn den BER und das ICC? „Kleine Abbilder“, „strahlendes Image“? Wie wäre es mit einer internationalen Gratisaktion unseres Exportschlagers Nr.1, dem Bürgeramt? Und überhaupt, was soll das heißen, „von den Römern lernen“? Woher haben die denn wohl ihre Müllberge, wenn nicht aus Neukölln? Woher ihr Verkehrschaos, wenn nicht von der so genannten „Verkehrslenkung Berlin“? Woher die Idee, eine Ruine als Wahrzeichen zu pflegen, wenn nicht von der Gedächtniskirche? Ha! Das ist „modernes, innovatives und partizipatives Hauptstadtmarketing“: „Es wäre eine grobe ökonomische Nachlässigkeit, diese nicht zu nutzen.“ (Zenker, ebd.)