Der letzte Mauertote von Berlin

die Mauer bedeutete Leid und bestimmte über viele Leben. Zum Beispiel Winfried Freudenberg: Der 32 Jahre junge Elektriker füllt am 7. März 1989 in Blankenburg im nördlichen Berlin Gas in einen von ihm und seiner Frau genähten Ballon. Gerade erst hat SED-Machthaber Erich Honecker verkündet, die Mauer werde noch 100 Jahre stehen. Das voluminöse Fluggerät zur Flucht wird von einem Hilfskellner bei seinem nächtlichen Feierabend entdeckt, er ruft die DDR-Volkspolizei. Als die Funkstreife naht, ist noch nicht genug warme Luft im Ballon. Freudenberg und seine Frau bezweifeln, dass der Auftrieb sie beide trägt – überstürzt fliegt nur er allein los. Die Gondel aber wird zu leicht, schwebt in zu hohe Höhen. Stundenlang ist Freudenberg in seinem Ballon über der eingemauerten Freiheitsinsel West-Berlin gefangen. Als er doch noch Luft ablassen kann, stürzt er ab und prallt auf ein Villengrundstück in Zehlendorf. Winfried Freudenberg, dessen Frau im Osten verhaftet wird, ist sofort tot. Acht Monate später fällt die Mauer. An Freudenberg, das letzte von 140 Todesopfern in Berlin, erinnert eine Gedenkstele am Waldsee. Und das „Parlament der Bäume“ des kürzlich verstorbenen Aktionskünstlers Ben Wagin.