Apotheken gehen immer öfter Medikamente aus
Pharmazeuten warnen: Allein im vergangenen Jahr waren in Deutschland knapp 18 Millionen verordnete Medikamente nicht sofort lieferbar. Von Robert Ide
Ähnlich dem Ansturm ausgeliefert fühlen sich Apotheken. Sie haben nicht erst in diesen Tagen Schwierigkeiten, angefragte Medikamente zu liefern. Betroffen sind davon neben Antibiotika auch Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Magensäureblocker, berichtet Reiner Kern vom Bundesverband Deutscher Apothekerverbände auf Checkpoint-Nachfrage.
Allein im vergangenen Jahr waren in Deutschland knapp 18 Millionen verordnete Medikamente nicht sofort lieferbar. Dies war eine Verdopplung zu 2018 (9 Millionen nicht lieferbare Verordnungen), in dem sich schon die Zahlen des Jahres 2017 verdoppelt hatten (4,5 Millionen). Hauptproblem ist eine wegen des Preisdrucks globalisierte und auf wenige Firmen ausgerichtete Arzneimittelproduktion. Die meisten Hersteller von Wirkstoffen sitzen in China und Indien – wenn sie, wie jetzt, einen Schupfen bekommen, dann fiebert die ganze Welt ohne Gegenmittel.
Hinzu kommen Rabattverträge deutscher Krankenkassen für Medikamente und die bisherige Pflicht für Apotheken, nur rabattierte Medikamente zu verabreichen. Diese Regelung wurde am Dienstag teilweise von den Krankenkassen geschluckt, Apotheken dürfen nun auch „ein anderes, vorrätiges Medikament abgeben, damit der Patient nicht noch einmal in die Apotheke kommen muss“. Eine kleine Beruhigungspille für viele, die sich nicht bei Besorgungen für ihre Gesundheit mit einer Krankheit anstecken wollen.