Sechs Spuren, aber keine Bürgerbeteiligung: Neubau der Neuen Gertraudenbrücke
Aus der Kategorie: Machen ist wie wollen nur krasser. Die Neue Gertraudenbrücke in Mitte, die den Spittelmarkt und die Fischerinsel verbindet, muss wegen schwerer Schäden neu gebaut werden. Heute fahren täglich noch 70.000 Autos über die sechsspurige B1 hinweg – und auch künftig rechnet die selbsternannte Verkehrswendeverwaltung anscheinend nicht mit weniger Individualverkehr. Auch der Neubau soll sechsspurig sein. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) kritisiert die Neuplanung scharf: Das passe nicht zum historischen Ort und zum „epochalen Projekt des House of One“, das direkt an der Straße ansteht, hält er Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) vor.
Die Vorstellung, dass daneben eine „sechs- und siebenstreifige Asphaltbahn mit einem Rasengleis und Gitter zur Verhinderung des Überquerens durch zu Fuß Gehende vorbeiführt, passt dazu nicht“, schreibt Gothe in einer Mail, die dem Checkpoint vorliegt. Für ihn ist auch eine zweispurige Platanen-Esplanade denkbar, mit Bäumen in der Straßenmitte, links und rechts der geplanten Straßenbahnspur, und am Straßenrand. Man müsse kreativ werden.
Gothe wundert sich, dass eine Ende 2020 vereinbarte Verkehrswerkstatt gemeinsam mit Anwohnerinitiativen seit Monaten nicht stattfindet – stattdessen kam nun die fertige Vorplanung bei ihm an. „Die Verkehrssenatorin sagt ja immer, sie will die Mobilitätswende, aber das muss man vor Ort partizipativ erarbeiten“, fordert Gothe. Wir schauen mal, was dazu im Stadtentwicklungsplan Verkehr steht: Dass Berlin sich zu einer der „lebenswertesten Großstädte weltweit mit einem guten und menschenfreundlichen Verkehrssystem entwickelt hat“, habe viele Gründe, steht dort: „Einer davon ist die den Zielen des Mobilitätsgesetzes verpflichtete hochentwickelte Planungs- und Beteiligungskultur bei allen verkehrsplanerischen Prozessen.“ Immerhin liest es sich schön.